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Kolumbien wählt unter Polizeischutz

In einer Atmosphäre von Gewalt und Skepsis begann der Urnengang in dem südamerikanischen Land. Ein Großaufgebot von Sicherheitskräften beschützte die Wahllokale.

dpa BOGOTA. Trotz kriegsähnlicher Zustände in Teilen Kolumbiens haben die Bürger des südamerikanischen Landes am Sonntag ein neues Parlament gewählt. Die Regierung bot etwa 200 000 Polizisten und Soldaten zum Schutz der Wahllokale auf. Die befürchteten Anschläge und Sabotageakte linker Rebellen und rechter Paramilitärs blieben zunächst jedoch aus. Angesichts einer befürchteten niedrigen Wahlbeteiligung rief Präsident Andrés Pastrana dazu auf, "durch die Stimmabgabe den Terrorismus zu besiegen".

Das als korrupt verrufene Parlament genießt nur geringes Ansehen, und die Abgeordneten sind das bevorzugte Ziel von Anschlägen der FARC-Rebellen. Nach dem Ende des Friedensprozesses im Februar überzogen die FARC das Land mit einer weiteren Welle von Anschlägen, die dutzende Menschen das Leben kostete und große wirtschaftliche Schäden anrichtete.

Außerdem halten sie die Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt sowie fünf Parlamentarier in ihrer Gewalt. Weitere sechs Abgeordnete fielen seit den vergangenen Wahlen Anschlägen zum Opfer, die den Rebellen zugerechnet wurden. Für die Freilassung der Geiseln fordern die Guerilleros ein Gesetz über den Austausch von Gefangenen.

Einheimische Medien berichteten, vor allem die marxistischen "Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens" (FARC) und die rechten Paramilitärs hätten schon im Wahlkampf Kandidaten und Wähler in den von ihnen kontrollierten Gebieten außerhalb der größeren Städte unter Druck gesetzt. Die extrem rechten "Einheiten zur Selbstverteidigung Kolumbiens" (AUC) wollen nach eigenen Angaben bis zu 30 % der Sitze mit ihnen nahe stehenden Kandidaten besetzen. Die AUC sind bei der Landbevölkerung wegen zahlreicher Massaker noch gefürchteter als die FARC-Guerilleros.

Umfragen zufolge dürften die beiden großen Parteien, die Konservativen und die Liberalen, Sitze zu Gunsten unabhängiger Kandidaten einbüßen. Mit Interesse wurde vor allem das Abschneiden der Kandidaten erwartet, die den jeweiligen Bewerbern um das Präsidentenamt bei der Wahl im Mai zugerechnet werden.

Die liberale Partei ist gespalten. Ihr abtrünniger Kandidat für das höchste Staatsamt, Álvaro Uribe, der auf eine militärische Lösung des seit bald 40 Jahren andauernden Konflikts setzt, liegt in den Umfragen bei fast 60 %. Der offizielle liberale Kandidat, Horacio Serpa, kann zur Zeit höchstens auf 24 % hoffen. Der Kandidat der Konservativen ist chancenlos.

Insgesamt 23,8 Mill. Kolumbianer waren aufgerufen, einen neuen Senat und ein Abgeordnetenhaus zu wählen. Um die 102 Sitze im Senat und 166 Sitze im Abgeordnetenhaus bewarben sich insgesamt etwa 10 000 Kandidaten. Als wichtigste Aufgaben der nächsten Legislaturperiode gilt die Auseinandersetzung mit der FARC-Forderung nach einem Austausch der Entführungsopfer, eine Reform des Parlaments sowie des Renten- und Arbeitsrechts.

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