Kolumne
Application Service Providing - Segen oder Fluch?

Ein schlanker Netz-PC, der aufwändige Software bei Bedarf einfach im Netz startet, keine umständlichen und fehleranfälligen Programm-Installationen auf zahlreichen Rechnern, Datenzugriff immer und überall! Die frohe Botschaft von den Vorteilen der so genannten ASP-Dienste (Application Service Providing) geistert bereits seit wenigen Jahren durchs weltweite Internet. Aber was ist dran an den vollmundigen Versprechungen der Service-Anbieter?

Kolumne von Frank Niebisch

Viele private Internet-Surfer nutzen bereits mehr ASP-Dienste, als ihnen wahrscheinlich bewusst ist. Vom Freemail-Dienst, mit dem via Internet die eigenen E-Mails verwaltet werden können, über Web-basierte Organizer zur Terminverwaltung bis hin zu virtuellen Festplatten und Online-Virenscannern. Die Palette der - oft werbefinanzierten - Angebote im WWW ist breit. Und manch einer möchte deren Vorzüge auch kaum noch missen. Stete Verfügbarkeit ist ein schlagendes Argument.

Dies ist aber nur die Spitze des Eisberges. Potential wird vor allem im betrieblichen Umfeld gesehen. Die Angebote reichen hier viel weiter - über die Nutzung von Microsofts Office-Paket via Web bis hin zu ausgeklügelten Content-Management-Systemen oder umfassenden SAP-Datenbank-Lösungen. Warum also teure Software-Lizenzen kaufen und sich zu allem Überfluss auch noch mit der System-Administration plagen? Bekommen Unternehmen doch für einen fixen monatlichen Preis eine ASP-Lösung ohne unkalkulierbare IT-Kosten. Das Motto: Mieten statt kaufen.

Die Vorteile für Firmen liegen auf der Hand und die Rentabilität einer ASP-Lösung scheint ein reines Rechen-Exempel zu sein: Man nehme die Lizenzgebühren für eine herkömmliche Software-Lösung, addiere die Kosten für den technischen Aufwand der Installation und Wartung und vergleiche dies mit der Summe der Nutzungsgebühren für den Application Service über einen definierten Zeitraum.

Eines wir dabei aber oft vergessen: Die effektive Nutzung Web-basierter Technologien setzt einen breitbandigen Internet-Zugang voraus. Ist dieser nicht gegeben, fallen zusätzliche Kosten für den Application Service an. Wenn mehr als 100 Mitarbeiter gleichzeitig über das Internet auf die ASP-Angebote zugreifen sollen, ist mindestens eine 34-MBit-Standleitung notwendig. Hier kann es sich bereits lohnen, einen hausinternen Application Service aufzubauen.

Primäres Problem des Application Service Providings ist jedoch nicht der Preis. Denn für Unternehmen mit 25 bis 50 Mitarbeitern bietet ASP oftmals sogar deutliche finanzielle Vorteile. Sicherheit ist das entscheidende Stichwort. Ist ein Datenverlust oder eine-manipulation im privaten Umfeld meist nur ärgerlich, steht unternehmerisch wesentlich mehr auf dem Spiel.

Jeder Netzwerk-Ausfall schlägt sich auf die Nutzbarkeit der ASP-Anwendungen nieder. Steht der Netzwerk-Zugang am Arbeitsplatz nicht zur Verfügung, kann zwar noch mit lokal installierten Programmen gearbeitet werden, nicht jedoch mit den Application Services. Ein Netzwerk-Ausfall bedeutet somit zwangsläufig auch einen Produktivitäts-Ausfall.

Weitere Schwachstelle sind die Server, auf denen die Anwendungen laufen und Daten abgelegt werden. Sie müssen extrem gut vor Viren-Attacken, Hackern und Daten-Spionage gesichert werden. Unternehmen sollten somit sehr genau überlegen, welchen Application Service Provider sie wählen. Jede Mark, die mehr in die Sicherheit investiert wird, ist sinnvoll angelegt.

Fazit: ASP lohnt sich besonders für Unternehmen, deren Mitarbeiter flexibel von unterschiedlichen Standorten aus auf ihre Anwendungen zugreifen müssen. Sollen 25 bis 50 Computer-Arbeitsplätze über den Application Service versorgt werden, ist die Alternative sogar günstiger als auf den Einzel-Rechnern installierte Software-Lösungen. Grund: Mit ASP kann eine halbe Administratorenstelle für die Software-Wartung eingespart werden. Die IT-Verantwortlichen sind aber gut beraten, nicht den erstbesten Dienstleister zu wählen.

Sowohl die Zukunftsperspektiven des Anbieters als auch die Verfügbarkeit und Sicherheit der Dienstleistung müssen sehr genau in Augenschein genommen werden. Zudem muss vertraglich geregelt sein, wie mit Ausfallzeiten und Datenverlust bzw. Spionage umzugehen ist und welcher Sicherheits-Standard garantiert wird.

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