Kolumne: Aufwärts geht’s, sagte die Maus
Schröders innovative Nullnummer

Die von Bundeskanzler Gerhard Schröder zu Beginn der Legislaturperiode angekündigten Strategien und Konzepte zur Technologiepolitik ließen Großes erwarten. Die Defizite in der Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft sollten abgebaut werden. Der Kanzler wollte sich sogar an den Maximen "Innovation und Gerechtigkeit" messen lassen.

Gast-Kolumne von Gerd Neumann, Geschäftsführer der Rotec GmbH, Kipfenberg.

Vor einem Jahr wurde an dieser Stelle (HB 18.4.2001 "Blauäugiger Tiger") die eher notdürftige Umsetzung der Visionen des Kanzlers zum Technologie-Transfer durch die Beamten des BMBF festgestellt. Grundlegend geändert hat sich seitdem nichts. Aus welchen Quellen Bundesministerin Edelgard Bulmahn jetzt ihren Optimismus bei der Präsentation des neuesten Berichtes zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands schöpfte, ist auch nicht nachvollziehbar. Sie stellte in ihrer Pressemitteilung dazu fest: "Die Ausgangsposition Deutschlands für einen wirtschaftlichen Aufschwung ist ausgesprochen gut."

Doch kollidiert ist die Aussage mit einigen Feststellungen in diesem Bericht. So konzentriert sich z.B. "ganz offensichtlich die FuE-Tätigkeit in Deutschland von Jahr zu Jahr auf immer weniger Unternehmen, denn die Zahl von forschenden industriellen Klein- und Mittelunternehmen hat stark abgenommen. . . . Dies gibt Anlass zur Besorgnis. . .". Ein Widerspruch ergibt sich auch beim Welthandelsanteil von FuE-intensiven Waren, ein wichtiger Indikator für die technologische Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Wohl um die Öffentlichkeit nicht zu verwirren, wurde diesmal die Vergleichsgrafik lieber weggelassen. So ist der seit Jahren anhaltende Abwärtstrend des Welthandelsanteils von FuE-intensiven Waren von über 18 % im Jahr 1991 auf knapp 13 % im Jahr 2001 nicht mehr auf Anhieb zu erkennen. Diese Art von Zukunftsoptimismus wurde von Bruder Barnabas beim letzten Starkbieranstich in München treffend beschrieben: "Aufwärts geht?s, sagte die Maus, als die Katze sie die Treppe hinauftrug."

Angesichts der Wirtschaftslage und auch insbesondere unter dem Gesichtspunkt, dass die FuE-Aktivitäten in Besorgnis erregendem Umfang im Mittelstand nachlassen, wäre es sinnvoll gewesen, leistungsfähige marktwirtschaftliche Strukturen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu installieren. Diese Maßnahme hätte für den Mittelstand einen echten Nutzwert bedeutet und entsprechende Synergieeffekte ausgelöst.

Die von der Bundesregierung bereits vor über einem Jahr verkündete Verwertungsoffensive "Wissen schafft Märkte" entwickelt sich aber immer mehr zu einer Verwaltungsorgie von bisher nicht gekanntem Ausmaß. 17 neue Patentverwertungsagenturen (PVA) wurden geschaffen, die Ende 2002 wahrscheinlich arbeitsfähig sind. Ende 2003 steht dann schon wieder ihre Existenz in Frage, da zu diesem Zeitpunkt die Projektfinanzierung endet und noch vollkommen offen ist, ob eine weitere Finanzierung möglich ist. Nach einer aktuellen Studie gibt es bundesweit ca. 1 830 Transferstellen, die allesamt erfolgreich am Tropf der öffentlichen Hand hängen.

Im Februar resümierte Franz Müntefering in einer kleinen Runde von Fachleuten messerscharf: "Die Situation ist wohl vergleichbar mit dem Leistungsdefizit bei der Vermittlung von Arbeitslosen der Bundesanstalt für Arbeit." Ihm wurde widersprochen, es sei schlimmer. Ob sich auf der Grundlage dieses Erkenntnisgewinns an der Regierungspolitik etwas ändern wird, ist nach den Erfahrungen der letzten drei Jahre eher unwahrscheinlich.

Quelle: HANDELSBLATT

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