Kolumne: Die Finanzprofis
Kondition auf dem Prüfstand

Es gab nicht nur freudig erregte Mienen unter den Börsenprofis in der Fassenachtswoche. Zwar warten alle bereits seit Wochen auf eine mit Kursverlusten verbundene Verschnaufpause am Aktienmarkt, die man immer dann „Konsolidierungsphase“ nennt, wenn sich die Grundstimmung dadurch nicht ändert und der Trend anschließend weiter nach oben zeigt. Doch war ab Aschermittwoch zunehmende Nervosität nicht zu übersehen.

Die aktuellen Kommentatoren hatten diverse Anlässe, die zeitweise empfindlichen Minuskorrekturen (die man schon nicht mehr gewohnt war) mit unerwartet schlechten Nachrichten zu begründen (z.B. Enttäuschung über Lageberichte von Google und Adidas). Doch waren es eben nur Anlässe für die Schwächeanfälle, nicht die Gründe. Selbst die Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank musste als Argument für die Skeptiker herhalten, weil verbunden mit diesem Schritt die alte Inflations-/Zinsdiskussion wieder aufgelebt ist:

Müssen wir uns entgegen den bisherigen Erwartungen nun doch auf Teuerungsraten einstellen, welche die EZB nicht tolerieren will und deshalb die Geldschraube weiter anziehen wird (= steigende Zinsen)? Dies kann nicht ganz ausgeschlossen werden und wäre tatsächlich auch ein gelbes Signal für die Aktienfans, denn: Steigende Zinsen sind bekanntlich Gift für die Börse. Als Optimist teile ich solche Sorgen (noch) nicht – zuvor müsste sich erst einmal bestätigen, dass sich unsere reale Wirtschaft auch so beleben wird, wie es jüngst die Frühindikatoren gezeigt haben. Außerdem sprechen starke Argumente nach wie vor gerade für deutsche Aktien, insbesondere ihre noch immer attraktive Bewertung.

Bemerkenswert war, und das bei zeitweise lebhaften Umsätzen, die Unterstützung in den Schwächemomenten. Denn meist noch am gleichen Tag trat auf dem niedrigeren Niveau eine Stabilisierung ein. Vielleicht wird die neue Woche besonders spannend, weil der Dax seine Kondition beweisen muss. Ungeachtet der neuen Unternehmensnachrichten gilt der Blick der marktbestimmenden Kräfte den Charts. Selbst wenn es noch nicht zu einem erneuten Sprung über die Marke von 5900 Punkten kommen sollte, müssen anhaltende Kursschwankungen nicht automatisch der Anfang vom Ende sein.

Die Analysten sind sich zur Zeit uneinig über den weiteren kurzfristigen Verlauf, aber das werte ich eher als gutes Zeichen. Positiv stimmt mich auch die Beobachtung, dass der Aktienmarkt zwar auf enttäuschende News spontan reagiert, dennoch weiter bereit ist, rasch wieder nach vorn zu blicken. Beispiel Adidas: Trotz der Enttäuschung über das negative Quartalsergebnisse halten namhafte Analysten an ihrer langfristigen Kaufempfehlung ist. UBS beispielsweise stellt Adidas jetzt auf „Kaufen“ und nennt als Kursziel 183 Euro.

Spannend bleibt die neue Woche auf jeden Fall für die Stock-Picker – nicht nur wegen der Veröffentlichung weiterer Lageberichte, sondern es stehen auch (Vor-)Entscheidungen in einigen Übernahmekämpfen an (Eon/Endesa, Linde/BOC). Außerdem dürften Neuigkeiten von Volkswagen, BMW und von der beginnenden Computermesse Cebit die Beachtung der Börsianer finden.

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