Kolumne: Die Finanzprofis: Weiter am Ball bleiben!

Kolumne: Die Finanzprofis
Weiter am Ball bleiben!

Ungewöhnliches, ja fast schon Unglaubliches ist geschehen: In Deutschland ist Zuversicht eingekehrt. Selbst alte Hasen können sich kaum erinnern, jemals einen ähnlichen Stimmungsumschwung wie den jüngsten erlebt zu haben.

Denn innerhalb von nur wenigen Wochen haben sich nicht nur positive Frühindikatoren der Wirtschaft bestätigt, sondern sind die vereinzelten, noch leisen Optimismus-Rufe zum lauten Es-geht-wieder-aufwärts-Chor angeschwollen. Das signalisieren nicht nur die stark beachteten, monatlich veröffentlichten Indizes der Konjunkturforscher (Ifo, GfK); noch bemerkenswerter ist die inzwischen in weiten Teilen unserer Wirtschaft sich ausbreitende Hochstimmung.

Zudem nimmt der Beifall aus dem Ausland zu. Wir sind wieder wer auf der Bühne der Weltwirtschaft. Und dazu hat eine überzeugende 100-Tage-Zwischenbilanz der großen Berliner Koalition mit entscheidend beigetragen. Die Stimmung ist traditionell ein Vorläufer der Fakten – sie ist also jetzt viel besser als die gesamtwirtschaftliche Lage geworden. Ob sich daraus aber tatsächlich ein spürbarer allgemeiner Wachstumsschub entwickelt, ist noch ungewiss, ja fraglich. Beispiel für die Risiken: Vielleicht kommt es lediglich zu einer kurzen Blüte, weil die Bundesbürger angesichts der näher rückenden Mehrwertsteuer-Erhöhung Käufe vorziehen. Und die alten Fragezeichen bleiben (Mittelost-Krise, Ölpreise) – von pandemischen Vogelgrippe-Szenarien ganz zu schweigen.

Bestätigt wird vor allem aber unser Aktienmarkt, der ja schon seit Monaten eine Erholung der Konjunktur vorweg nimmt. Doch konzentriert sich die Börse auf ihre Aktiengesellschaften – und die entwickelten sich bereits 2005 viel, viel besser als die Wirtschaft insgesamt. Jetzt werden fast überall die ursprünglichen Prognosen für 2006 nach oben korrigiert. Das Erreichen der 6.000-Marke gilt Optimisten nur noch als eine Frage von Tagen oder wenigen Wochen, danach peilen manche Fachleute schon Dax-Stände von 6.250 bis 6.350 Punkte an.

Zugleich werden die Mahner vernehmlich lauter, eine Verschnaufpause sei dringend erforderlich, und der Index könnte sein Hoch schon bald erreicht haben, deshalb: Allmählich Gewinne mitnehmen. Dem möchte ich mich (noch) nicht anschließen, zumal Sie alle (hoffentlich) ihre individuellen Verkaufsmarken für die Aktien festgelegt haben, um Verluste zu begrenzen, wenn der Trend kippt. Bleiben Sie also am Ball, denn der Markt ist keineswegs übertrieben euphorisch und auch nicht überbewertet!

Eine Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank von 2 ¼ auf 2 ½ % wird für Donnerstag erwartet. Diese Maßnahme dürfte der Börse demnach nicht weh tun, zumal selbst spätere Schritte bis auf 3 % einkalkuliert werden – eine „Hochzinsphase“ ist weiterhin nicht zu befürchten. Die Welle der Unternehmensberichte ebbt in der neuen Woche erst einmal ab. Gespannt sind die Börsianer – und viele Privatanleger – auf die Jahrespressekonferenz der Deutschen Telekom am Donnerstag.

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