Kolumne: Die fünf Weisen
Beim nächsten Job wird alles anders!

Präzisieren Sie, was Sie in Ihrer heutigen Position unzufrieden macht. Bewerben Sie sich nur dort um eine Mitarbeit, wo Sie Ihre Ziele mit hoher Wahrscheinlichkeit erreichen können.

Jetzt wissen Sie ganz genau was Sie wollen: eine verantwortungsvolle Aufgabe, eine angemessene Dotierung und einen prima Vorgesetzten. Beim letzten Wechsel konnten Sie Ihre Vorstellungen nicht realisieren - da hat man Ihnen Zusagen gemacht, die sich im Nachhinein als Luftblasen erwiesen. Natürlich konnten Sie so etwas nicht vorhersehen . . . Wirklich nicht?

Viele Angestellte sind nach Antritt ihrer neuen Aufgabe enttäuscht. Doch das kann nicht nur an schlechten Arbeitgebern, unfähigen Chefs oder bescheidenen Rahmenbedingungen liegen, das hat auch etwas mit den neuen Mitarbeitern selbst zu tun. Also, was müssen Sie tun, damit es Ihnen beim nächsten Job besser ergeht?

Zunächst müssen Sie sich intensiv mit sich selbst, mit Ihren persönlichen Stärken und Schwächen auseinander setzen. Dazu gehört, dass Sie Entwicklungsschritte kritisch hinterfragen, Erfolge wie auch Misserfolge analysieren und Ihre Einschätzung dann auch vielleicht einmal im Gespräch mit Dritten reflektieren. Bei solch einer Standortbestimmung kann auch professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.

Präzisieren Sie, was Sie in Ihrer heutigen Position unzufrieden macht. Wie muss eine Position ausgelegt sein, damit sie für Sie die gewünschte "verantwortungsvolle Aufgabe" ist? Heißt das "disziplinarische Führung von Mitarbeitern" oder "fachliche Leitung von Projekten"? Wann ist Ihr Vorgesetzter für Sie ein "prima Chef"? Wenn er Ihnen viel Verantwortung delegiert und Sie auch vor sehr schwierige Aufgaben und Entscheidungen stellt - oder wenn er Dinge mit Ihnen gemeinsam vorantreibt?

Überlegen Sie, in welchem Punkt Sie sich beim letzten Wechsel möglicherweise in Ihrer Beurteilung des Unternehmens, der Aufgabe und/oder des Vorgesetzten getäuscht haben. Und dann fragen Sie sich ehrlich: Passen Ihre Vorstellungen einer attraktiven Position auch wirklich zu dem, was Sie bieten können?

Formulieren Sie Ihre Anforderungen an einen neuen Arbeitsplatz hinsichtlich der Arbeitsinhalte, des Verantwortungsrahmens und der Entscheidungsgewalt, des Kundenkontakts sowie der Nähe zur Geschäftsführung konkret und stellen sie sicher, dass sie im Einklang stehen mit dem, was Sie gut leisten können. Beispielsweise würde es einfach nicht passen, wenn sich jemand für eine Leitungsfunktion interessiert, in der er eine weitreichende Reorganisation umzusetzen hat, aber von sich selbst sagt, dass er ein konsensorientierter Teamplayer ist und sein Selbstmanagement noch optimieren muss.

Bewerben Sie sich nur dort um eine Mitarbeit, wo Sie Ihre Ziele mit hoher Wahrscheinlichkeit erreichen können. Am Anfang steht die Analyse der Stellenausschreibung. Sicher, die Anzeige ist ein Marketinginstrument, das Unternehmen stellt sich möglichst gut dar, also machen Sie gedanklich ein paar Abstriche. Schauen Sie sich den potentiellen neuen Arbeitgeber genau an - vergleichen Sie Aussagen der Stellenanzeige, die sich an potentielle Mitarbeiter richten, mit anderen Aussagen, etwa denen, die umworbene Kundengruppen ansprechen sollen. Gibt das ein rundes Bild?

Ergänzend dazu sollten Sie neben der gründlichen (Internet-) Recherche sowie dem Studieren von Pressemeldungen und Geschäftsberichten auch im Freundes- und Bekanntenkreis nachhaken, ob jemand einen persönlichen Kontakt zum Unternehmen hat oder jemanden kennt, bei dem das der Fall ist.

Konkretisieren Sie Ihr Bild der Aufgabe anhand aller Informationen, die Sie sammeln konnten. Wenn dann noch entscheidungsrelevante Fragen offen sind, rufen Sie bei dem genannten Ansprechpartner an und klären diese Punkte.

Von einer (Nachwuchs-) Führungskraft darf man erwarten, dass sie Entscheidungen - auch und vor allem in eigener Sache - gründlich vorbereitet und das wesentliche Handwerkszeug, nämlich gute Fragen zu stellen, beherrscht. Letztlich ist das gesamte Verfahren eine erste "Arbeitsprobe"!

*Jörg Will ist Partner beim ifp, Institut für Personal- und Unternehmensberatung Will & Partner

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