Kolumne: Die fünf Weisen
Der Wille entscheidet, ob es Mobbing ist

Nicht alles, was gemeinhin und geradezu inflationär mit dem Schlagwort Mobbing bezeichnet wird, ist auch tatsächlich Mobbing. Der Arbeitnehmer hat kein „Recht in Ruhe gelassen zu werden“. Ein bisschen Selbstkritik täte so manchem „Opfer" gut.

Mobbing, ein Massenphänomen? Nach irrealen Schätzungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) soll es jährlich 1,5 Millionen Mobbingopfer in deutschen Betrieben geben. Mobbingtäter, so heißt es, seien größtenteils Vorgesetzte und Kollegen. Mobbing sei aber nicht nur ein individuelles, sondern auch ein gesamtwirtschaftliches Problem. Gemobbte Arbeitnehmer hätten weit überdurchschnittliche Fehlzeiten. Außerdem führe das - durch Mobbing - verseuchte Arbeitsklima zu deutlich schlechteren Arbeitsleistungen. Hierdurch entstünde ein Schaden in Höhe von 15 bis 25 Milliarden Euro jährlich.

Das ist absurd. In der Realität sind echte Mobbingfälle Einzelfälle. Nicht alles, was gemeinhin und geradezu inflationär mit dem Schlagwort Mobbing bezeichnet wird, ist auch tatsächlich Mobbing. Der Begriff Mobbing beschreibt das systematische Anfeinden, Schikanieren und Diskriminieren von Arbeitnehmern über einen längeren Zeitraum hin. Eine einzelne Attacke eines Vorgesetzten oder Kollegen ist daher kein Mobbing. Aber auch wenn der Arbeitnehmer dauerhaft Kritik oder ständig neuen Arbeitsanweisungen seines Vorgesetzten ausgesetzt ist, die er subjektiv als Schikane empfindet, handelt es sich in der Regel nicht um Mobbing. Der Arbeitnehmer hat kein "Recht in Ruhe gelassen zu werden".

Dabei gilt der Grundsatz: Was arbeitsvertraglich erlaubt ist, kann regelmäßig nicht als Mobbing verboten sein. Das heißt aber nicht im Umkehrschluss, dass alles was arbeitsvertraglich nicht erlaubt ist, automatisch Mobbing wäre. Vielmehr ist dem Arbeitgeber bei der Wahrnehmung seiner Interessen ein Recht auf Irrtum zuzubilligen. Deshalb stellen auch wiederholte unberechtigte Abmahnungen, rechtswidrige Weisungen und Ähnliches noch lange kein Mobbing dar. Zu Mobbing werden fortgesetzte Angriffe erst, wenn dahinter der planmäßige Wille steht, den Arbeitnehmer zu schikanieren. Wirkliches Mobbing ist alles andere als ein modernes Phänomen. Seine Ursachen liegen auch nicht, wie die Gewerkschaften verbreiteten, in arbeitsorganisatorischen Mängeln und einem erhöhten Druck durch zunehmende Leistungsverdichtung. Vielmehr ist es leider typisch für menschliche - nicht nur betriebliche und deutsche! - Gemeinschaften, dass eine Person aus unterschiedlichsten Gründen und auf verschiedenste Art und Weise von anderen sozusagen fertig gemacht werden soll. In der Regel sind mindestens zwei Personen beteiligt. Dementsprechend hält das Arbeitsrecht für Mobbingkonflikte kaum Patentlösungen bereit. Der gemobbte Arbeitnehmer kann sich beim Betriebsrat beschweren. Vor allem aber sollte er sich an seinen Arbeitgeber wenden, der auf Grund seiner Fürsorgepflicht Mobbing verhindern muss.

Mobbt dagegen der Arbeitgeber selbst, Bossing genannt, oder ist er nicht willens oder in der Lage, etwas zu unternehmen, so kann das - vermeintliche - Mobbingopfer versuchen, den Arbeitgeber, Vorgesetzten oder Kollegen auf Unterlassung in Anspruch zu nehmen und zu verklagen. Vereinzelt haben Gerichte auch Schmerzensgeld zugesprochen. Allerdings bewegen sich die Summen bislang auf bescheidenem Niveau: ein halbes bis zwei Monatsgehälter betrugen sie.

Auch kann der Arbeitnehmer Mobbingattacken zum Anlass für eine eigene riskante fristlose Kündigung nehmen. Lässt sich das Mobbing belegen, kann er vom Arbeitgeber Fortzahlung seines Gehaltes bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist und eine zusätzliche Abfindung verlangen. Erfolgversprechender als jedes rechtliche Mittel dürfte aber stets der Versuch sein, eine Kommunikation mit dem Arbeitgeber und vermeintlichen oder echten Mobbingtätern aufzubauen.

Last but not least: Nicht wenige Mobbing-Opfer täten gut daran, ihre Person selbstkritisch zu hinterfragen - statt vorschnell ausschließlich anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben und auf die Hilfe des Rechts zu vertrauen.

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