Kolumne: Die fünf Weisen
Die 27. Frage nervt

Am Ende eines Vorstellungsgesprächs fällt die wichtigste Entscheidung: hopp oder top. Dabei ist die Zeit davor mindestens genauso bedeutend. Bis der Termin zu Stande kommt, geschehen oft tolle Überraschungen.

Am Ende eines Vorstellungsgesprächs fällt die wichtigste Entscheidung: hopp oder top. Dabei ist die Zeit davor mindestens genauso bedeutend. Bis der Termin zu Stande kommt, geschehen oft tolle Überraschungen.

Da gibt es Bewerber, die meinen, mit einem Lebenslauf - der natürlich sehr gut auf die vakante Position abgestimmt ist - sei die Einladung bereits perfekt. Getreu dem Motto: jetzt kommt es nur noch darauf an, persönlich zu überzeugen. Man selbst kann Werdegang und Umstände viel besser erzählen, als Zeugnisse dies je vermitteln könnten.

Aber weit gefehlt: ein Bewerber, der Zeugnisse verweigert, obwohl sie gefordert werden ("die liegen im Safe und da komme ich derzeit nicht ran..."), übergeht einen zentralen Wunsch des Suchenden. Außerdem kennen erfahrene Personaler alle klassischen Ausflüchte und zeichnen sich durch eine gute Spürnase aus. Aber selbst wenn der Versuch gelingt - Unstimmigkeiten in den Unterlagen lassen sich selten durch einen guten persönlichen Eindruck ausgleichen.

Auch die bloße Vereinbarung eines Gesprächstermins mit einem Kandidaten kann mitunter so aufschlussreich sein, dass der Einladende am liebsten sofort wieder eine Ausladung aussprechen möchte: Man hält eine wirklich ansprechende, überzeugende Unterlage in den Händen und möchte sich telefonisch mit dem Kandidaten auf einen ihm angenehmen Termin verständigen.

Das Bild, dass man bis dato hatte, wird jedoch schlagartig vom Bewerber selbst demontiert: "Eigentlich ginge es Donnerstag, so ab 19 Uhr - oder Freitag Vormittag - nein, ganz schlecht - vielleicht am Mittwoch - ist 18 Uhr okay? ....". Zaudern und Unentschlossenheit wirken bei einer Führungskraft wenig überzeugend, potenzielle Arbeitgeber und Personalberater schätzen ein klare Ansage.

Ein Termin ist also gefunden. So manche Stolperfalle hält das Leben aber auch jetzt noch bereit: Man könnte 40 Minuten zu früh oder sieben Minuten zu spät kommen, weil es keine bessere Zugverbindung gibt. Das mag im Einzelfall kein Drama sein, ist aber sicher ein satter Minuspunkt. Da bietet es sich doch an, früh zu fahren und im Bahnhofscafé Unterschlupf zu suchen.

Oder: Ein kaufmännischer Leiter erscheint bei einem mittelständischen Produktionsbetrieb im dunkelblauen Dreiteiler. Das ist zwar sehr elegant - aber höchstwahrscheinlich unpassend.

Nun aber zum Interview selbst: Geborene Stegreifkünstler haben einen ausgeprägten Mut zur Lücke - verzichten gern auf eine Vorbereitung - wollen "lieber erst einmal den anderen kommen lassen". Selten geht das gut. Vielmehr veranlasst dies den Gesprächspartner zu der Annahme, dass sich der Bewerber genauso spontan in kriegsentscheidende Verhandlungen mit dem Betriebsrat stürzt - und die Firma ins Unglück.

Besser klären Sie zu Beginn - wenn es nicht eindeutig ist - wie viel Zeit für Ihre Fragen vorgesehen ist. Erlaubt sind nur jene, die Sie sich trotz vernünftiger Vorbereitung nicht selbst beantworten konnten. Niemand verübelt es Kandidaten, wenn sie Ihre Notizen dabei haben - nur sollten sie sich aufs Wesentliche beschränken! Es gibt Kandidaten, die gehen extrem gut vorbereitet in ein Gespräch, haken gern mehrfach nach und wundern sich, dass Ihnen die 27. Frage nicht mehr beantwortet wird. Seien Sie sensibel und flexibel genug, um die häufigen Blicke des Interviewers auf die Uhr zu bemerken und zu reagieren. Das heißt nicht, dass man in Ehrfurcht erstarrt. Zentrale Punkte wollen geklärt sein: welche Erwartungen an die Besetzung der Position geknüpft sind. Auch kritische Aspekte zum Firma und zur Aufgabe sollte man ansprechen - mit Fingerspitzengefühl. Und vor Ort ist hochinteressant, was und wie es passiert - das gibt viel Aufschluss über die Kultur des Unternehmens.

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