Kolumne: Die fünf Weisen
Die Tücken der Online-Bewerbung

Der erste Eindruck zählt. Deshalb ist das Verfassen von Bewerbungsschreiben und das Erstellen professioneller Bewerbungsmappen so wichtig. Welcher vernünftige Mensch möchte schon diese erste Chance ungenutzt vorbei ziehen lassen?

Es gibt jedoch eine große Anzahl von Führungskräften, die meinen, dass die bewährten Maßstäbe für eine überzeugende schriftliche Bewerbung im Zeitalter der E-Mail außer Kraft gesetzt sind. Für sie scheint Schnelligkeit das einzige Gebot der Stunde zu sein: Lieber "quick & dirty" als einer der Letzten zu sein, der sein Bewerbungspaket im elektronischen Briefkasten des Empfängers platziert.

Vielen scheint es unerheblich, ob der Lebenslauf komplett, geschweige denn aktuell ist. Es finden sich Anschreiben, die mittlerweile so häufig verwendet wurden, dass sie nun endgültig nicht mehr zu der ausgeschriebenen Position passen und aus der Anrede lässt sich erkennen, an welchen Wettbewerber dieses Schreiben zuletzt durchs Netz gejagt wurde. Auch das Datum unter dem Lebenslauf ist oft genug verräterisch alt, so dass der Eindruck entsteht, der Kandidat ist schon seit langem auf Bewerbungstournee - offensichtlich erfolglos.

Auch bei der technischen Ausgestaltung einer E-Mail-Bewerbung sollte ein gewisses Mindestmaß an Qualität nicht unterschritten werden. Selbst bei Bewerbern für Top-Positionen genügen die Unterlagen häufig nicht den gängigen formalen Anforderungen - von Aufbau und Gestaltung ganz zu schweigen. Ich beobachte Riesendateien, Formatsalate und auch schon einmal 25 Anhänge, Texte mit unregelmäßigem Schriftbild, holprigen Zeilen- und Seitenumbrüchen, ungebändigtem Tabulatoren-Einsatz und eingescannte Dokumente in kaum identifizierbarer Qualität. Werden die Schriftstücke ausgedruckt, sind sie noch unleserlicher.

Wenn Sie die Versendung Ihres Portraitfotos im Din A4 Format selbst für etwas überzogen halten, dann sollten Sie sicherstellen, dass Ihnen die Einstellungen am PC des Empfängers keinen Streich spielen können: Zuletzt blickte mich beim Öffnen einer Fotodatei ein überdimensioniertes blaues Auge an, und erst als ich die Größe veränderte, entschärfte sich dieser erste, Distanzierungswünsche auslösende Eindruck.

Die häufigsten Fehler sind leicht vermeidbare Unachtsamkeiten. Sie zeigen, dass das schnelle digitale Medium dazu verleitet, eine Bewerbung ohne die gebotene Sorgfalt zu verfassen. Dabei ist es doch nur der Postweg, der sich verändert hat!

Wer also den elektronischen Weg wählt, sollte zu verhindern wissen, dass der Adressat ungewollt die Formate und damit den beabsichtigten ersten Eindruck verändern könnte. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass der Empfänger über mangelhafte Formatierungen einfach hinwegsieht. Vielmehr wird er fragen, ob dies die Sorgfalt ist, die Sie auch im Beruf anwenden und die Sie einem Mitarbeiter durchgehen ließen. Wenn Sie die entsprechende Technik nicht beherrschen, holen Sie sich kompetenten Rat!

Die Digitalisierung ist eine erhebliche Erleichterung für den Bewerber wie für den Personalchef oder Berater. Aber lassen Sie sich durch das unkomplizierte Klicken, durch die Textverarbeitung und Kopiermöglichkeiten nicht verleiten: Die Qualitätsmaßstäbe sind unverändert - im Gegenteil, der Wettbewerb um interessante Positionen hat sich verschärft und duldet keine Nachlässigkeit. Im Zweifelsfall bleiben Sie lieber bei der bewährten Bewerbungsmappe.

Sollten Sie befürchten, dass dies nicht zeitgemäß ist, so seien Sie beruhigt: "Modern ist, was Erfolg hat" sprach jüngst Otto Rehagel ...

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