Kolumne: Die fünf Weisen
Jeder hat den Betriebsrat, den er verdient

Bei Führungskräften in mittleren und kleineren Unternehmen sind Betriebsräte und Betriebsratsmitglieder meist unbeliebt. Dabei verkennen diese immer wieder, dass sich die Geringschätzung des Betriebsrats verheerend auswirken kann.

Bei Führungskräften in mittleren und kleineren Unternehmen sind Betriebsräte und Betriebsratsmitglieder meist unbeliebt. Dabei verkennen diese immer wieder, dass sich die Geringschätzung des Betriebsrats verheerend auswirken kann. Ob man will oder nicht: Schöpft ein Betriebsrat die ihm vom Betriebsverfassungsgesetz einräumten Rechte aus, so kann das den Arbeitgeber - und nicht nur wegen der entstehenden Kosten - schon an den Rand der Verzweiflung bringen. Nach dem Motto "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus" kommt allerdings der Erkenntnis gewisse Bedeutung zu, dass "jeder den Betriebsrat hat, den er verdient".

Es lässt sich nicht leugnen, dass Führungskräfte zuweilen im Umgang mit Betriebsräten das nötige Fingerspitzengefühl vermissen lassen. Das beginnt schon bei der erstmaligen Wahl eines Betriebsrats. Spürt der Arbeitgeber, dass die Belegschaft einen Betriebsrat will, er ihn also nicht verhindern kann, müssen positive Weichen gestellt werden. Ziel sollte sein, nach Möglichkeit Querulanten, bürokratische Sturköpfe und hundertprozentig linientreue Gewerkschafter auszuschalten. Dazu kann es durchaus gehören, geeignete Mitarbeiter zu motivieren, sich in den Betriebsrat wählen zu lassen. Gefragt sind vernünftige Mitarbeiter, die zwar nicht zu allen Verlautbarungen des Arbeitgebers Ja und Amen sagen, mit denen dieser aber konstruktiv kommunizieren kann.

Ist der Betriebsrat erst einmal installiert, sollte er gehegt und gepflegt werden. Die vom Betriebsverfassungsgesetz geforderte "vertrauensvolle Zusammenarbeit" lässt sich nur bewerkstelligen, wenn der Betriebsrat als Partner akzeptiert wird. Dazu empfiehlt es sich, ihn so oft als möglich und durchaus auch über das rechtlich geforderte Maß hinaus zu informieren und ihm das ständige Gefühl der Mitsprache zu geben. Kontraproduktiv ist eine zu restriktive Haltung auf Arbeitgeberseite und vor allem eine nicht selten zu beobachtende Arroganz gegenüber einzelnen oder allen Betriebsratsmitgliedern. So etwas wirkt sich immer wieder negativ aus, weil der Betriebsrat genügend Möglichkeiten hat, es dem Arbeitgeber heim zu zahlen. Wird dem Betriebsrat positiv begegnet, fühlt sich dieser erfahrungsgemäß umso mehr dem Unternehmen verpflichtet. Mit ihm lassen sich dann leichter betriebliche Regelungen treffen, die dem Unternehmen nützen, aber bei der Belegschaft keine Begeisterung auslösen.

Ich will allerdings nicht missverstanden werden: Der Arbeitgeber sowie seine Manager und Berater sollten sich nicht als Weicheier gegenüber dem Betriebsrat präsentieren. Arbeitgeberstandpunkte können durchaus in der Sache hart vertreten werden, wobei es sich in den meisten Fällen allerdings lohnt, nach Kompromissen zu suchen. Klare Worte werden von den meisten Betriebsräten verstanden, wenn nicht sogar akzeptiert.

Dies schließt jedoch einen fairen Umgang miteinander nicht aus. Als externer Arbeitgeber-Berater stößt man bei manchen Unternehmen insoweit häufig auf Defizite. Ein Beispiel ist mir in bleibender Erinnerung: In einem Unternehmen ließ sich ein Einigungsstellenverfahren mit je drei Beisitzern und einem Vorsitzenden nicht vermeiden. In der ersten Sitzung begrüßte das zuständige kaufmännische Vorstandsmitglied meiner Mandantin den Vorsitzenden der Einigungsstelle, bot ihm Kaffee an und fragte ihn mit säuerlicher Miene und Blick auf die anwesenden Betriebsräte: "Muss ich denen etwa auch Kaffee anbieten?" Spätestens jetzt war mit klar, warum es zu dem Verfahren kommen musste.

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