Kolumne: Die fünf Weisen
Job-Hopper? Gern, mit richtiger Lernkurve.

Personalmanager bringen häufig den Arbeitgeber wechselnden Bewerbern wenig Sympathie entgegen. Doch lohnt der zweite Blick in den Lebenslauf. Manche Führungskräfte haben mit ihrem Unternehmen schlicht Pech gehabt. Andere Kandidaten sammelten durch den häufigen Wechsel des Arbeitgebers einen Erfahrungsschatz, denn es zu nutzen gilt.

Die Wirtschaft stagniert, viele Karrieren auch. Die Wechselwilligkeit so mancher Fach- und Führungskraft nimmt in der Krise ab. Dennoch gibt es in den vergangenen Jahren auch das gegenteilige Phänomen: Mit dem Boom der New Economy wurde Job-Hopping gesellschaftsfähig, in der Krise wird es bisweilen unumgänglich. Personalmanager bringen Job Hoppern aber wenig Sympathie entgegen. Doch lohnt der zweite Blick in den Lebenslauf. Manche Führungskräfte haben mit ihrem Unternehmen schlicht Pech gehabt. Andere Kandidaten sammelten durch den häufigen Wechsel des Arbeitgebers einen Erfahrungsschatz, denn es zu nutzen gilt. Sinnvoll ist die Analyse der Lernkurve des Bewerbers.

Als Faustregel galt bisher: Wer lange auf einer Position verharrt, ist ängstlich und unflexibel - wer häufig seinen Job wechselt ist verdächtig. In der Wirtschaftsflaute wird dies relativiert. Nur schwer lassen sich zur Zeit Richtwerte festlegen, wie lange jemand auf seinem Posten bleiben sollte. Noch immer gilt im Grundsatz aber: Jüngere Führungskräfte können und sollten häufiger wechseln als Ältere.

Zwei Beispiele: 1998 tritt der 29-jährige Jurist seine erste Stelle bei einer Privatbank an. Schon nach kurzer Zeit merkt der Jurist, die Beratung von vermögenden Anlegern füllt ihn nicht aus. Die nächste Station: Die Vertriebsabteilung einer Versicherung. Die Abteilung wird kurz darauf umorganisiert. Mit dem neuen Chef stimmt die Chemie nicht. Da kommt der Lockruf eines dot.com-Unternehmens als stellvertretender Finanzchef gerade recht. Nach vier Monaten gibt die Firma auf. Der Jurist steht auf der Straße - in der Hand ein Lebenslauf mit drei Stationen in zwei Jahren und dem unsichtbare Stempel Job Hopper.

Das Gegenbeispiel: Die 28-jährige Vertriebsexpertin steigt bei einem kleinen Pharmakonzern in der Vertriebsabteilung ein. Nach sechs Monaten wirbt ein Konkurrent sie ab. Ein Jahr später wird sie Vertriebschefin. Urplötzlich unterbreitet ein weltweiter Pharmakonzern das Traumangebot, in Asien den Vertrieb aufzubauen. Die Konsumflaute bewegt den Konzern jedoch nach vier Monaten, sein Asiengeschäft zurückzufahren. Die Aufsteigerin wird zurückbeordert. Da kommt das Angebot eines Konkurrenten, den Europavertrieb zu leiten. Doch wieder wird die Führungskraft Opfer der Konsumflaute. Ihr Arbeitgeber kündigt ihr an, sein Engagement in Europa an einen Mitbewerber zu verkaufen. Nun sucht die 32-jährige Vertriebsexpertin einen neuen Job. Fünf Stationen in drei Jahren, aber - anders als der Jurist - ein reicher Erfahrungsschatz.

Arbeitsplatzwechsel finden gerade in diesen Zeiten aus den unterschiedlichsten Gründen statt. Wegen des engen Arbeitsmarkts erhöht sich jetzt die durchschnittliche Verweildauer in Unternehmen, die Anzahl gewollter Unternehmenswechsel sinkt. Stehen in der Vita deshalb relativ viele Arbeitgeber, wurde die Mappe früher weggelegt. Heute aber lohnt der zweite Blick: Verdecken die Kandidaten Misserfolge? Jeder macht Fehler. Doch wenn sich Fehler an Fehler reiht, ist Vorsicht geboten. Die Kernfrage ist, lässt sich aus dem Werdegang und den Äußerungen eine Lernbereitschaft ablesen? Diese ist neben aller Führungsqualität notwendig, um sich auf neue Unternehmungen und Märkte einstellen zu können.

Personalchefs bemängeln an Job Hoppern, dass sie Positionen sammeln statt Ergebnissen. Da ist etwas dran, denn: Wer jede Position nur zwei Jahre ausfüllt, um sich dann nach etwas neuem umzusehen, kann Ideen und Konzepte nicht nachhaltig in Erfolge umsetzen. So bleibt man den Beweis schuldig, dass die eigenen Konzepte auch tatsächlich richtig waren. Die Pharma-Vertriebsexpertin in unserem Beispiel kann hingegen ihre intensiven Erfahrungen im Pharmabereich hervorheben und mit ihrer Auslandserfahrung punkten. Diese Lernkurve dürfte überzeugen.

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