Kolumne: Die fünf Weisen
Kein Jagdverbot für Headhunter

Der BGH hat jetzt der telefonischen Kontaktaufnahme von Headhuntern und Wechselkandidaten an deren Arbeitsplatz seinen Segen erteilt. Damit hat er das Problem des Headhunting am Arbeitsplatz zu Recht dorthin gerückt, wo es hingehört: In das Verhältnis des Mitarbeiters zum Arbeitgeber.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat jetzt endlich für Klarheit gesorgt - und der telefonischen Kontaktaufnahme von Headhuntern und Wechselkandidaten an deren Arbeitsplatz seinen Segen erteilt. Damit hat er das Problem des Headhunting am Arbeitsplatz zu Recht dorthin gerückt, wo es hingehört: In das Verhältnis des Mitarbeiters zum Arbeitgeber.

In der überfälligen Entscheidung stellt der BGH klar, dass unter wettbewerbsrechtlichen Gesichtspunkten keine Bedenken gegen eine erste telefonische Kontaktaufnahme am bisherigen Arbeitsplatz bestehen. Sprechen dürfen der Kandidat und der Headhunter dabei aber nur über die Wechselbereitschaft als solche, die Eckpunkte der zu besetzenden Stelle und einen Anschlusstermin. Führen die beiden hingegen ein ausführliches Gespräch oder gleich mehrere Gespräche, ist der Fall anders zu beurteilen. Mit diesem Urteil sind die meisten der lange bestehenden rechtlichen Unsicherheiten also beseitigt.

Gleichzeitig gibt das Urteil Anlass zu einem Abschied von der Praxis vereinzelter Arbeitgeber, das Symptom des "Headhuntings am Arbeitsplatz" an Stelle der wirklichen Ursachen zu bekämpfen. Solche Arbeitgeber sollten sich einmal fragen, ob sie Headhunting wirklich fürchten müssen und wenn ja - warum. Meist ist der Arbeitgeber weniger über den Anruf als solchen oder dessen zeitlichen Aufwand erbost als über den drohenden Verlust eines wertvollen Mitarbeiters. Zwar ist es im Zeitalter der Jobnomaden keine Seltenheit mehr, dass sich Mitarbeiter beruflich umorientieren. Die Aufgabe seines gesicherten Arbeitsumfeldes wird ein Mitarbeiter aber auch heute nur ernsthaft in Erwägung ziehen, wenn er sich davon eine signifikante Verbesserung seiner beruflichen Perspektive erhofft. Dies kann zwar auch an einem Traumangebot eines anderen Unternehmens liegen. Dagegen ist kein Arbeitgeber gefeit. Häufig ist die Ursache jedoch ausschließlich bei Defiziten des bisherigen Arbeitsplatzes und des Umfeldes zu suchen. Einen zufriedenen Mitarbeiter wird ein mäßig besseres Angebot kaum zu einem Wechsel veranlassen. Den Kampf gegen das Headhunting wählt also vor allem derjenige Arbeitgeber als Ventil, der nicht in der Lage ist, seinen Mitarbeitern eine ordentliche Personalentwicklung anzubieten.

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