Kolumne: Die fünf Weisen
Königsdisziplin Mitarbeitergespräch

Auch und gerade wenn die wirtschaftliche Situation keine großen Gehaltssprünge zulässt, sind ein ehrliches Feedback und die Fähigkeit zur Motivation gefragt. Vor allem in Zeiten flauer Konjunktur birgt so ein Gespräch reichlich Konfliktpotenzial und ist für manchen Chef ein Alptraum.

An Elogen fehlt es wahrlich nicht, die Mitarbeiter eines Unternehmens sind das wichtigste Kapital. Ein gutes Betriebsklima und Anreize sind wichtige Faktoren, die Mitarbeiter zu motivieren. Auch und gerade wenn die wirtschaftliche Situation keine großen Gehaltssprünge zulässt, sind ein ehrliches Feedback und die Fähigkeit zur Motivation gefragt. Deshalb ist das Mitarbeitergespräch die Königsdisziplin einer positiven Führung. Es geht um das zentrale Element der Personalentwicklung. Idealerweise gehört zu diesem Dialog alles von der Leistungsbeurteilung über die Vergütung bis hin zur persönlichen Entwicklung. Gerade in Zeiten flauer Konjunktur birgt so ein Gespräch reichlich Konfliktpotenzial und ist für manchen Chef ein Alptraum. Nicht jeder Vorgesetzte hat das Know-how, um im Vier-Augen-Gespräch Mitarbeiter besser zu verstehen und sie damit erfolgreicher führen zu können.

Forsch und fordernd oder unsicher und unterwürfig - die Mitarbeiter präsentieren sich beim Jahresgespräch in vielen Rollen. Mitunter entdecken Führungskräfte ihre Kollegen erst, wenn der jährlich anberaumte Dialog stattfindet. Ein für beide Seiten enttäuschendes Aufeinandertreffen endet vor allem mit einem Ergebnis: Unsicherheit auf beiden Seiten. Der Mitarbeiter fühlt sich nicht ernst genommen und die Führungskraft zweifelt, ob der Kollege ihm gegenüber wirklich auf dem richtigen Posten sitzt.

Der doppelte Frust ist vermeidbar. Das Gespräch mit dem Mitarbeiter darf eben nur nicht zur Pflichtübung verkommen. Dieser Dialog ist die Chance schlechthin, ein gutes Arbeitsklima zu schaffen, Irritationen zu beseitigen und Vertrauen aufzubauen. Schließlich bündelt dieser Dialog die gegenseitigen Erfahrungen.

Auch wenn der gelegentliche Zuspruch mancher Führungskraft schon fast locker gelingt, scheuen sich viele vor dem Augengespräch. Meist haben sie Angst davor, mit ihren Mitarbeitern schlechte, verbesserungswürdige Leistungen zu besprechen. Die Aufgabe, auch kritische Inhalte im Mitarbeitergespräch erfolgreich anzusprechen, ist schwierig. Hilfreich sind eine positive Atmosphäre, klare Beurteilungskriterien und Gesprächsführung. Dabei gilt: Die Führungskräfte sollten nicht Oberlehrer spielen und nur Vorwürfe formulieren. Erfolge und Defizite des Mitarbeiters gehören angesprochen. Kritik ohne Anerkennung demotiviert, Anerkennung ohne Kritik schließt Weiterentwicklung aus. Der Dialog zwischen Chef und Mitarbeiter darf sich nicht auf die alljährliche Bestandsaufnahme und Zielfindung beschränken - für das eine oder andere Wort muss immer Zeit sein. Nur Kollegen, die öfter ein Feedback bekommen, sind motiviert. Führen heißt auch, sich spontan auszutauschen, über Ziele zu diskutieren und aktuell Erfolge und Misserfolge anzusprechen. Das braucht keine Lobeshymne oder eine lange Strafpredigt zu sein. Wenige Sätze reichen oft, um zu zeigen, der Mitarbeiter und seine Leistung werden gewürdigt.

Nicht jeder Chef hat das Rüstzeug, gute Mitarbeitergespräche zu führen. Doch ist es erlernbar. Jede Führungskraft sollte auch diese Fähigkeit bei sich hinterfragen. Dabei ist es kein Zeichen von Schwäche, die Personalabteilung oder externe Berater um Hilfe zu bitten. Im Gegenteil: Wer signalisiert, ein Training oder ein individuelles Coaching sind notwendig, stellt die Bedeutung des Themas in den Vordergrund und zeigt die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Und spätestens nach dem ersten wirklich gelungenen Vier- Augen-Gespräch tritt das ein, was jeder braucht: Man fühlt sich ernst genommen, über die eigene Leistung, persönliche Wachstumspotenziale und konkrete Veränderungsschritte wurde gesprochen, weil sie für das Unternehmen wichtig sind. Geforderte, gerecht behandelte und fair beurteilte Mitarbeiter danken positiv verlaufene Gespräche vor allem mit einem - mit Leistung.

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