Kolumne: Die fünf Weisen
Warum die Guten geschasst werden

Wie kommt es, dass oft gerade die tüchtigen Leute gekündigt werden?

Wie kommt es, dass oft gerade die tüchtigen Leute gekündigt werden? Ich sehe immer wieder, dass ausgerechnet die seltenen Exemplare, die sich vorbehaltlos mit Herzblut dem Unternehmenswohl verschrieben haben, anecken. Mehr noch: Obwohl sie es sind, die Dinge bewegen und die Firma voranzubringen versuchen, setzt man sie vor die Tür.

Warum? Es sind zum Beispiel diejenigen Menschen, die Wahrheiten in Situationen aussprechen, in denen diese Wahrheiten nicht gerne gehört werden. In Vorstands- und Geschäftsführungssitzungen etwa, oder bei Abteilungs- und Bereichsmeetings, wo regelmäßig die Businesszahlen besprochen werden, wo über neue Marktherausforderungen oder Geschäftsprozesse entschieden wird. In aller Regel herrscht großer Konsens, alle nicken ab - auch wenn man nicht die beste Lösung gefunden hat. Wenn hier nun ein Manager sitzt, der den liebevoll vorbereiteten Vorschlag eines Kollegen nicht goutiert, der die Schwachstellen erkennt und - konfliktstark genug - anspricht, kann dies für ihn schnell zum echten Problem werden. Das macht er einmal, das macht er zweimal, irgendwann fühlen sich die Kritisierten verletzt und nicht wertgeschätzt. Die Typologie ist immer ähnlich: wer so lautstark etwas angreift, denkt auch sonst nicht in Kategorien wie Seilschaften oder innerbetrieblichen Netzwerken. So etwas hielt er nie für nötig, war seine Leistung doch immer sehr gut, waren seine Erfolge vorweisbar.

Natürlich gibt es diese Leute nicht reihenweise. Die normale Vorstandssitzung läuft kuschelig, friedlich, harmonisch ab. Um den Preis von Qualitätsabstrichen. Was dann passiert: Egal wie gut der Kritiker ist, irgendwann ist er dem, der über seine Karriere entscheidet, so sehr auf die Füße getreten, dass dieser nicht mehr mit ihm arbeiten will. Egal wie gut er dem Unternehmen tut. Das halte ich für verkehrt: Wo das Unternehmenswohl die Messlatte sein sollte, entscheidet plötzlich das Ego eines Einzelnen. Zugegeben wird das nie, Ausreden finden sich immer. Wer Fehler sucht, findet sie auch. Vielleicht macht der Unbequeme auch Fehler beim Führen seiner Mitarbeiter, vielleicht tritt er manchmal zu knallhart auf - anderen würde man dies verzeihen, ihm - plötzlich - nicht mehr.

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