Kolumne: Die fünf Weisen
Zwangsbeglückung der Personaler

So manche Personalabteilung entmündigt Mitarbeiter und Führungskräfte. Das ist zu aller Seiten Schaden.

Wann können wir etwas wählen? Wenn wir es auch abwählen können. Wann können wir zu etwas aus ganzem Herzen "ja" sagen? Wenn wir zu etwas "nein" sagen können. Das ist die Lektion, die uns der biblische Christengott mit der Vertreibung aus dem Paradies erteilte: Wir sollen wählen können, entscheiden. Nur Freiheit macht verantwortlich. Denn nur wenn wir die Wahl haben, handeln wir auch entschieden.

Davon wird auch in den Unternehmen viel gesprochen. O-Ton Personalabteilung: "Wir brauchen selbstverantwortliche Mitarbeiter und Führungskräfte! Menschen mit Unternehmergeist!" Aber Reden ist das eine. In Wirklichkeit traut man offenbar nicht einmal den eigenen Führungskräften rationales Handeln zu. Permanent versucht man sie zu bevormunden. Die tatsächliche Existenz von einigen Führungsspastikern bestätigt die Personalarbeit in ihrem Misstrauen gegenüber allen. Wichtig ist: Sie vertraut weder den Führungskräften noch ihren eigenen Gütern und Dienstleistungen. Sie vertraut nicht einmal dem "Angebot", das sie den Menschen macht, sonst würde sie es ihnen zur Wahl stellen. Statt dessen zwingt sie sie, es zu kaufen. Wenn eine Führungskraft sieht, dass ein Instrument erfolgstreibend ist, wird sie es der Personalarbeit wahrscheinlich aus den Händen reißen. Weil sie es braucht. Weil es ihr hilft. Aber offenbar braucht sie das Instrument nicht. Deshalb wird es nicht nachgefragt.

Es gibt die heimlich Neigung vieler Personaler zum Menschenmachen. Man behauptet privilegierten Zugang zur Wahrheit. In Verbindung mit der ubiquitären Im-Gleichschritt-marsch-Ideologie wird unserer Führungskraft zugerufen: "Wir glauben dir nicht, dass du dich vernünftig und rational verhältst! Du kannst gar nicht wissen, was für Dich gut ist! Aber wir wissen es!" Eine oktroyierende und zentralistische Personalarbeit "verbiegt" mithin das Handeln der Führungskraft, drängt sie zu einem rational nicht einsichtigen Verhalten. Sie unterläuft das an der Sache orientierte Nutzenkalkül und ersetzt es durch die Orientierung am Anpassungsvorteil. Schon bald tut die Führungskraft nicht mehr, was sinnvoll ist, sondern was Karrierevorteile hat. Das untergräbt die Freiheit des Menschen zu ökonomischer Vernunft.

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