Kolumne: Die fünf Weisen
Zwischen den Zeilen

In aller Regel sind die Texte von Stellenanzeigen wohlüberlegt und das Resultat intensiver Diskussionen. Sie sind Teil der Marketingstrategie des Unternehmens. Da kann es nicht verwundern, dass die Tendenz gibt, weniger positive Fakten rosarot einzufärben.

In aller Regel sind die Texte von Stellenanzeigen wohlüberlegt und das Resultat intensiver Diskussionen. Sie sind Teil der Marketingstrategie des Unternehmens; neben dem Zweck, die bestmöglichen Kandidaten für eine vakante Position zu gewinnen, verfolgen diese Anzeigen auch das Ziel, das Ansehen des Unternehmens zu stärken: Es versucht hier das Bild zu zeichnen, das Kunden, Interessenten und Konkurrenten von ihm haben sollen. Das heißt nicht, dass es in Ausschreibungen mit der Wahrheit nicht so genau genommen würde - aber es gibt die Tendenz, weniger positive Fakten rosarot einzufärben.

Und so werden - wie in der Produktwerbung - die Dinge verpackt: Nicht jede "Marktführerschaft" lässt sich auch an Umsatzzahlen messen. "Manager-" oder "Leiter-" Funktionen bedeuten nicht zwingend Personalverantwortung. Nicht alle "großen Herausforderungen" sind auch für Sie eben solche und "verantwortungsvolle Aufgaben" sagen nichts über Entscheidungsspielräume: In der hierarchischen Struktur eines Konzerns kann es mehr Entscheidungsbefugnisse auf Mitarbeiterebene geben als in Leitungspositionen inhabergeführter Firmen.

Die in Anzeigen genannten Aufgaben und Verantwortungsbereiche gilt es aus der Perspektive des suchenden Unternehmens zu lesen und zu verstehen. Möglicherweise fehlen Ihnen dazu ein paar wesentliche Informationen, die Sie sich anderweitig nicht beschaffen können. Dann nutzen Sie die Telefonnummer des Ansprechpartners in der Anzeige - aber bitte gut vorbereitet. Es wirkt alles andere als professionell, wenn Sie das Telefonat mit einem "Oh-der-Akku-ist-leer!" jäh unterbrechen müssen. Manche Ansprechpartner verbuchen das unter "schlechter Vorbereitung" ...

Die Situation des suchenden Unternehmens ist Ihnen nun klar. Wollen Sie sich bewerben, müssen Sie dem Empfänger vermitteln, dass Sie ein Kandidat sind, der dem formulierten Idealprofil sehr nahe kommt: Sie erfüllen die K.-O.-Kriterien (die in aller Regel als solche erkennbar sind) und darüber hinaus bringen Sie die eine oder andere Kann-Voraussetzung mit. Und dies ist aus Ihrem Anschreiben eindeutig zu ersehen.

In diesem muss der Leser konkrete Lösungen auf sein formuliertes Problem auf Anhieb erkennen. Niemand wird sich die Zeit nehmen und nach den für ihn wichtigen Fakten in den Anlagen fahnden. Wird etwa ein erfahrener Projektleiter zum nächstmöglichen Zeitpunkt gesucht, dann will der Empfänger lesen, welche Erfahrungen Sie in der Projektarbeit wann und wo gemacht sowie welches eindeutig nachvollziehbare Maß an Verantwortung Sie übernommen haben. Dazu gehören Budgetvolumina, die Anzahl der zu steuernden Projektmitglieder, die Koordination im Hinblick auf Termine, Kosten sowie Qualität und die (hoffentlich) erfolgreiche Umsetzung. Unter Umständen sind Aspekte wie Berichtswege, Controllingaufgaben oder Internationalität erforderlich - entsprechend den Anforderungen des suchenden Unternehmens.

Sollten Sie Ihren derzeitigen Arbeitgeber nicht nennen wollen oder besteht die Möglichkeit, dass ein Leser das Unternehmen nicht kennt, geben Sie eindeutige Hinweise wie Umsatz und/oder Mitarbeiterzahl an. Und weil danach gefragt wurde, benennen Sie auch Ihren frühestmöglichen Eintrittstermin.

Meist wird nach den Gehaltsvorstellungen gefragt - dann ist deren Angabe auch ein Muss. Dazu sollten Sie Ihren Marktwert realistisch einschätzen. Liegen Ihre berechtigten Vorstellungen deutlich über dem, was sich das suchende Unternehmen als Limit gesetzt hat, werden Sie sich auch in einem späteren Vorstellungsgespräch an diesem Punkt nicht einig werden - oder vielleicht doch? Ein Stelleninserat ist eine Anfrage auf dem (Arbeits-) Markt, Ihre Bewerbung ist ein Angebot darauf. Um es mit anderen Angeboten vergleichen zu können, müssen Inhalt, Verfügbarkeit und Preis eindeutig sein. Vielleicht kommt das Unternehmen ja zu dem Schluss, das es nachbessern muss.

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