Kolumne
Liegt die Chance des Mobilfunks in Ost-Europa?

Stagnierendes Wachstum, Warten auf den Marktstart von UMTS (Universal Mobile Telecommunication System) und steigende Zinslasten (UMTS-Kredite, Investitionen) bei den führenden Mobilfunkanbietern kennzeichnen heute unsere entwickelten westeuropäischen Mobilfunkmärkte.

Das ist der Status nach Jahren zweistelliger Wachstumsraten im Mobilfunk, durch die nationale Mobilfunkanbieter auch über Ländergrenzen hinweg wachsen konnten. Anbieter verfolgten dabei unterschiedliche Strategien; zog es die einen eher fokussiert in wenige Länder, streuten andere ihre Engagements weltweit.

Es lohnt sich, einen Blick auf die sich rasch entwickelnden Mobilfunkmärkte in Osteuropa zu werfen. Fragen kommen auf: Ist dort noch Wachstumspotenzial vorhanden? Können von diesem Potenzial eventuell auch die durch stagnierendes Wachstum geplagten internationalen Player Nutzen tragen? Gibt es Faktoren, die internationales Engagement hemmen? Welche Erfolgsfaktoren lassen sich für die agierenden Anbieter ableiten?

Ost-Europa hat in 2001 ein Rekordjahr erzielt: Ausgehend von einer extrem geringen Mobilfunk-Penetrationsrate von 10% (Vergleich Westeuropa: 75%), konnte die Teilnehmeranzahl auf 41,7 Mio. Teilnehmer gesteigert werden, was einem Wachstum von 73% entspricht. Die Prognose für die kommenden Jahre stellt sich auch positiv dar: man rechnet im Jahr 2005 mit ca. 83,5 Mio. Teilnehmern (s. Tabelle).

Die drei größten Ländermärkte der Region - Polen, Tschechien und Russland, repräsentieren fast 50% der Umsätze und osteuropäischen Teilnehmerbasis. Laut Markt-Prognosen werden Polen, Russland und Ungarn zu den Ländern mit dem höchsten Wachstumspotenzial gehören.

Ein Grund der hohen Wachstumsraten ist, dass die osteuropäischen Mobilfunkmärkte stärker als im Westen die Festnetz-Technologie ersetzen. Mangelnde Servicequalität und Verfügbarkeit im Festnetzbereich sind die Ursachen für diese Entwicklung.

Ausländische Investoren haben die Wachstumspotenziale bereits vor einigen Jahren entdeckt. Die Deutsche Telekom AG ist mit Abstand der in Osteuropa best-positionierte globale Player mit Tochtergesellschaften und Beteiligungen in Ungarn, Tschechien, Slovakei, Russland, Polen, Kroatien und der Ukraine. Neben der Telekom kontrollieren vor allem France Telecom, Vivendi, Vodafone, skandinavische und amerikanische Betreiber als ausländische Investoren die ost-europäischen Märkte.

Dieses Investitionsinteresse hat - trotz anhaltender Wachstumstendenzen - nachgelassen. Erkennbar wurde dies bei der Vergabe der UMTS Lizenzen:

An die Einführung von UMTS ist derzeit in Ost-Europa noch nicht zu denken. Von einer ?Auktionsschlacht? wie in Deutschland kann auch nicht die Rede sein. Die Auktionen glichen eher reinen Lizenz-Vergaben. In Tschechien und der Slowakei mussten Lizenzen sogar wieder zurückgezogen werden, da es-wie in Frankreich- an Bietern mangelte. Eine geringe Anzahl der Bieter lässt wiederum auf deprimierende Einnahmen der Regierungen schließen. Im Gegensatz zu z.T. fast zweistelligen Milliardenbeträgen pro Lizenz in Deutschland und UK werden in den osteuropäischen Ländern nur geringe Millionenbeträge fällig.

Einige Länder beugen sich der derzeitigen ?Investitions-Unlust.? Die bulgarische Regierung verschob die Vergabe von UMTS Lizenzen beispielsweise auf 2004.

KPMG Consulting geht davon aus, dass UMTS Dienste voraussichtlich in den meisten osteuropäischen Ländern nicht vor 2005 eingeführt werden; Sprache gilt weiterhin als die ?Killer-Applikation,? d.h. Sprachdienste werden weiterhin in der Region das größte Nutzungsvolumen einnehmen.

Gründe für die Verspätung von UMTS bzw. für das mangelnde Interesse an dem eigenständigen Aufbau eines UMTS Netzwerkes können in folgenden Hemmfaktoren gefunden werden:

- Technologische Verzögerungen bei UMTS (Endgeräteverfügbarkeit etc.)
- Ungünstige regulatorische Rahmenbedingungen vor Ort
- Unstabile politisch-wirtschaftliche Lage vor Ort
- Hohes Risiko bei der Neukundenakquisition durch fehlendes lokales Markt-Know-how bei ausländischen Investoren
- Fehlende Finanzkraft ausländischer Investoren durch Wachstumseinbußen im ?gesättigten? Heimatland

Bei der Privatisierung einiger Gesellschaften ergeben sich ebenfalls Investitions-Hürden. Ein Beweis für die momentane Flaute ist nach Meinung von Herrn Straub, Generalsekretär des ungarischen Mobilfunkanbieters MATAV, die Schwierigkeit, ernsthafte Interessenten für die anstehende Privatisierung in Tschechien zu finden. Von der Euphorie, mit der vor 3-4 Jahren Expansionsstrategien verfolgt wurden, sei nichts mehr zu spüren. Auch in Polen und der Ukraine ist man auf der Suche nach finanzkräftigen Investoren.

Insgesamt zeigt sich Osteuropa mit seinen attraktiven Wachstumsprognosen als der zeitlich verzögerte Spiegel westeuropäischer Mobilfunkmärkte, allerdings auch mit absehbarer Teilnehmerstagnation in ca. 3 Jahren. Zum anderen zeigt es sich aber auch als ein parallel mitziehender ?Leidenspartner?. Dies wird verursacht durch die Dominanz der Tochtergesellschaften globaler Player in diesen Märkten, deren Ausgangssituation im Heimatland direkt Einfluss auf das ausländische Engagements ausübt. Das strategische Ziel, ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen zu werden bzw. zu bleiben, führt sicherlich zu eingeschränktem Investitionsverhalten gegenüber der osteuropäischen Märkte.

Marktkenner gehen davon aus, dass wir auch in den nächsten Jahren noch von dem wachsenden ?Markt der Tochtergesellschaften? sprechen werden, den sich neben der Deutschen Telekom AG, vor allem französische und skandinavische Telekommunikationsanbieter teilen werden.

Die Chancen in den osteuropäischen Märkten liegen langfristig darin, die gesammelten Erfahrungen in West-Europa erfolgreich einzusetzen. Dazu gehören z.B. die Entwicklung von Strategien zur Steigerung der Umsätze pro Kunde (ARPU, Average revenue per user). So klagen beispielsweise schon Anbieter in Tschechien, dem Vorreiter der ost-europäischen Märkte, über einen überproportionalen Zuwachs der Pre-Paid Kunden. Die Pre-Paid Kunden generieren im Durchschnitt nur 1/3 der profitablen Vertragskunden-Umsätze. Dies ist ein Trend, dem in West-Europa schon durch einige Maßnahmen entgegengewirkt wird.

Zu den Maßnahmen gehören u.a. das Angebot attraktiver, auf spezielle Kundensegmente zugeschnittene Produktbündel, Änderung der Preisstrategien für das Pre-Paid Segment und Forcierung des Customer Managements.

Dabei wird es entscheidend sein, so früh wie möglich Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette zu bilden und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle umzusetzen. Eine Herausforderung, die auch noch den Anbietern in West-Europa bevor steht - und zwar zur Zeit. Die Chance für Anbieter in Ost-Europa ergibt sich durch die rechtzeitige Vorbereitung.

Kurzfristig ergeben sich Handlungsmöglichkeiten vor allem in der Preispolitik (noch ist Teilnehmerwachstum in Ost-Europa durch ein Senken des hohen Preisniveaus möglich) als auch in der Gestaltung des Serviceportfolios. Hilfreich ist dabei eine Orientierung, die von den Muttergesellschaften gegeben werden kann. Ein damit verbundener Vorteil ist, dass neue Services ggf. von kleineren Gesellschaften schneller eingeführt werden können. Flexible Strukturen bieten hierzu eine Chance.

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