Kolumne: Rush Hour
Kein Krieg, Gerechtigkeit

Es wurde höchste Zeit, dass sich ganz Deutschland endlich einmal kritisch über die Gehälter und Bezüge von Managern beugt. Schließlich gibt es nichts Empörenderes, als wenn sich Versager die Taschen voll stopfen und dann in Urlaub gehen. Und alle anderen mit Tarifgehältern entweder ein Leben lang auf die nächste Lohnrunde warten müssen - oder darauf, dass die Werksferien anfangen.
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Vor diesem Hintergrund ist es mehr als ärgerlich, dass trotz der großen öffentlichen Anteilnahme die Kommission für Corporate Governance nur halbe Sachen macht. Zwar empfiehlt die Truppe rund um den ehemaligen ThyssenKrupp-Chef Gerhard Cromme warm, dass doch bitte alle Chefs offen sagen sollen, was sie verdienen. Nur: Wenn die nicht wollen, dann müssen sie auch nicht wollen. Und sie wollen nicht.

So lässt sich beim besten Willen nichts kontrollieren. Die Managergehälter müssen auf den Tisch. Sofort. Einzeln. Und in allen Details. Nachdenken darüber, ob es eine Höchstgrenze für Managergehälter geben soll, reicht da nicht. Es muss gehandelt werden. Damit das Land ein gerechtes Land wird.

Warum muss jeder Sozialhilfeempfänger den Leuten vom Amt die Tür aufmachen und beweisen, dass er keine Waschmaschine, keinen Hund, kein Auto, kein Vermögen hat, solange die Vorstandschefs nicht nachweisen müssen, wozu sie Reinigungsservice, Auto mit Chauffeur, Garten mit Gärtner und Hund mit Luxusleine brauchen? Ist das gerecht? Nein, es ist nicht gerecht. Es ist fahrlässig, wie unbegründet das deutsche Management verdienen darf. Ungebremst. Ungehindert.

Eine Kommission zur Prüfung des tatsächlich gerechtfertigten Finanzbedarfs in Managerhaushalten muss her.

Erst wenn einer wie Verdi-Gewerkschaftschef Frank Bsirske für Klarheit sorgen darf, ist Gerechtigkeit hergestellt. Wenn er bei Tui-Chef Michael Frenzel zu Hause klingeln und mal in die Sparbücher gucken darf. Mann muss ja wissen, ob sich die Sache mit der Vermögensteuer für Spitzengehaltsbezieher noch lohnt.

DGB-Anführer Michael Sommer wird in den Kleiderschränken von Dieter Hundt die Seidenkrawatten zählen und anschließend die Kürzung der Gewinnausschüttung an den Eigentümer verlangen. IG-Metall-Spitzenfunktionär Jürgen Peters wird den zurückgebliebenen Zigarren-Humidor von Kajo Neukirchen beschlagnahmen. Chemiegewerkschaftschef Hubertus Schmoldt dagegen wird höflich bei Deutsche-Bank-Boss Josef Ackermann nachfragen, ob der Termin für einen Hausbesuch genehm ist - und dann mit dem Bandmaß die Quadratmeterzahl der Hundehütte vermessen.

Und dann werden die Kommissionsmitglieder wieder zusammentreten und die Unterlagen über geschiedene Gattinnen, studierende Kinder und lahmende Pferde sichten. Sie werden in Einzelgesprächen ermitteln, ob der Freibetrag für Neukirchens Zigarren wirklich höher sein muss als der für die Marlboros von Daimler-Chef Jürgen Schrempp. Ob die Krawattenleidenschaft von Hundt ein sanktionsbedürftiges Krebsgeschwür des Kapitalismus oder ein harmloses Vergnügen ist, das auch proletarische Haushalte wie der von Sommer pflegen.

Und dann werden sie die Gehälter festsetzen. Nach dem alten, immer gültigen Motto des Karl Marx: Gerecht ist nicht, wenn einer alles bekommt. Gerecht ist, wenn jeder das bekommt, was er braucht. Natürlich werden sie feststellen, dass es eine mühsame Angelegenheit ist, das Herausfinden von Manager-Lebensgewohnheiten und das Errechnen von Manager-Gehaltsäquivalenten.

Deshalb werden sie zu dem Schluss kommen, dass die Sache grundsätzlich und anders geregelt werden muss. Nicht individuell, sondern mit einem Manager-Flächentarifvertrag, ein paar Sondervergütungen und Zulagen, schon ist die Sache geritzt. Da muss nur zu den gängigen Tarifstrukturen die Tarifklasse V (für Vorstände) addiert werden. Tarif für den Vorstandschef: V1, für den Finanzchef: V2. Und so weiter. Das ist kein Krieg. Das ist Gerechtigkeit.

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