Kolumne: Speaker's Corner
Wer nicht wagt, der darf nicht hoffen

Meine Vorstellung einer wünschenswerten Unternehmenskultur in einer Click-Firma der Jetztzeit stammt nicht aus dem Studium von Benchmarks, sondern aus Beobachtungen und Eindrücken von Unkulturen, die ich während meines Berufslebens gesammelt habe.

Ich habe oft Macht, Angst, Grabenkämpfe, Eitelkeiten, Diadochen-kämpfe, Missgunst, Wut, Ärger und Unsicherheit als Triebfedern des Handelns erlebt. Dadurch hat sich in mir eine Art "Anti-Kultur" aufgestaut. Eine zukunftsorientierte soziale Unternehmensarchitektur sollte andere Motivationen fördern: Talent, Gestaltungswille und Freiwilligkeit gehören unter anderem dazu. Nur auf dieser Basis ist Wissensmanagement möglich.

Diese Erkenntnis ist nicht unbedingt neu. Investition in Wissen zahlt die besten Zinsen, das wusste schon Benjamin Franklin. Doch die Investitionen wanderten zu oft in die falschen Kanäle: Horden von Programmierern und EDV-Beratern machten sich vor einigen Jahren auf, für dieses Jahrhundertwerk geeignete Software-Produkte bereit zu stellen. Herausgekommen ist nicht viel mehr als eine banale Übersetzung von Wissensmanagement in das vermeintlich werbewirksamere Gegenstück Knowledge Manage-ment sowie eine Ansammlung überflüssiger Datenfriedhöfe, im Manager-Deutsch Data Warehouse genannt.

Dabei gilt Wissensmanagement als eine der großen Management-Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Wissenskapital im Unternehmen zu schaffen heißt, rund um alle Geschäftsprozesse Wissen aufzubereiten, Wissen zu dokumentieren, Wissen weiter-zugeben, neues Wissen zu erarbeiten, aufeinander abzustimmen und an strategischen Unternehmenszielen auszurichten. Ob in Entwicklungsabteilungen, in der Produktion, im Vertrieb oder in der Verwaltung - längst ist Wissen zum vierten Wirtschaftsfaktor geworden. Führende mittelständische Unternehmen wie die Drogeriemarktkette dm, der Werkzeughersteller Wolfcraft oder Hipp haben das längst erkannt.

Zahlreiche unserer angeschlagenen Groß-Konzerne dagegen treten - siehe oben - die Unternehmenskultur mit Füssen. "In vielen Unternehmen hapert es hinsichtlich der Bereitschaft, Wissen zu teilen und zu vermitteln. Gute Unternehmen sind unter anderem dadurch gekennzeichnet, daß jeder (fast) alles weiß. In schlechten Unternehmen wird Wissen abgeschottet, resümierte unlängst der renommierte Unternehmensberater Professor Hermann Simon. Bei allem wird eins gerne übersehen: Im Zentrum von Wissensmanagement steht der Mensch. So waren bei der Siemens AG in München nach dem 2. Weltkrieg nahezu 90 Prozent der Produktionsanlagen zerstört. Aber dank des Wissens der Mitarbeiter schaffte das Unternehmen innerhalb kürzester Zeit den Wiederaufbau.

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