Kolumne: Überzeugte Qualitätshüter sind weltweit gefragt
Logistik für den Weltmarkt

Von Klassenunterschieden keine Spur. Zeitgemäße Logistikzentren für Lebensmittel, egal auf welchem Kontinent, besitzen ähnliche Strukturen und Leistungsprofile. Obwohl bewährte Theorien unverzichtbar sind für diese Art der Globalisierung, hat die praxisgerechte technische Konzeption den größten Anteil am Ergebnis. Automatisierte Warenfluss- und Handlingfunktionen stehen dabei ebenso im Mittelpunkt wie umfassende Softwarekonzeptionen.

Gast-Kolumne von Juhani Anttila, Präsident und CEO, Swisslog, Aarau, Schweiz.

Zurückliegende Erfolge und eine anerkannt gute Marktposition dürfen nicht dazu führen, die Entwicklungsanforderungen in einzelnen Fachbereichen zu vernachlässigen. Denn die Anforderungen für Logistiksysteme steigen gleichermaßen in allen Ländern. Anbieter, die sich auf dem Weltmarkt behaupten wollen, haben vielmehr zu der hier zu Lande üblichen Systemtechnik noch die von Branche und Status der einzelnen Kunden mitgeprägte konzeptionelle Variante zu entwickeln. Dabei kann beispielsweise die Integration von Logistikzentren in bestehende Distributionsnetze den Anstoß geben, meistens abhängig von Bedingungen des Supply Chain Managements.

Auf welchem Weg die europäische Automatisierungstechnik für Logistiksysteme in letzter Zeit Erfolge gesammelt hat, lässt sich an einigen Beispielen aufzeigen. Zu den Ländern mit außergewöhnlichem Image gehört Australien. Gleich mehrere riesige Logistikzentren für Lebensmittel sind hier entstanden, um weit verzweigt angesiedelte Verkaufsfilialen innerhalb von Gebieten zu beliefern, die teilweise größer sind als manches Land in Europa.

Um trotzdem eine zuverlässige Bearbeitung von zigtausend Filialaufträgen pro Tag nach Zeitintervallen der Distribution zu erreichen, wurde eine leistungsstarke Technik eingesetzt: Automatische Hochregallager für Paletten und Behälter, rechnergesteuerte Förderer, Roboter für die Kommissionierung von mehreren Warengruppen und Hochleistungssorter für die Auftragszusammenstellung.

In Verlängerung der weltumspannenden Kette schließt sich China an. Nachdem in diesem Land bereits seit einigen Jahren Logistiksysteme für Produktionsbetriebe im Blickpunkt stehen, folgt nun die Hinwendung zum Handel: Für Lebensmittel, Getränke und Zigaretten soll das größte Distributionszentrum Asiens entstehen.

Eindeutig im Zentrum des Interesses aller Anbieter von Logistiksystemen, die sich auf dem Weltmarkt bewegen, liegt zurzeit der US-amerikanische Markt: wegen seiner Größe und mehreren Besonderheiten.

Herkömmliche Verteilzentren für unterschiedlichste Waren sind in den USA seit eh und je selbstverständliche Einrichtungen. Ein weiteres Kennzeichen sind die langen Transportwege, trotz der Netzwerkbildung mit regionalen Zwischenlagern oder Warenpufferstationen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass amerikanische Handelsunternehmen zuerst die Distribution neu organisiert haben, und zwar in Verbindung mit dem Supply Chain Management - ungeachtet der gewaltigen Aufwendungen für die Entwicklung und Implementierung der Software.

Einen gewissen Wendepunkt markiert Wal-Mart: Das größte Handelsunternehmen der Welt vergab im letzten Jahr an Swisslog zwei Aufträge über Design und Implementierung von automatisierten Verteilzentren für gekühlte und gefrorene Lebensmittel an den Standorten in Texas und Alabama.

Aufgewertet wird die Entscheidung von Wal-Mart, eine neue Generation von Verteilzentren ins eigene Distributionsnetz einzufügen, auch wegen der schon länger erreichten Führungsposition im strategischen Supply Chain Management.

Welche Kennzahlen sind in die Wirtschaftlichkeits-Berechnung einzufügen und mit allgemeinen Einflüssen zu kombinieren, damit ein nachprüfbares und allseits akzeptierfähiges Ergebnis entsteht? Dieser Nachweis hat besonders in den USA einen hohen Stellenwert, weil dort ein strenger Kodex keine Abstriche am festgelegten Return-of-Investment und der Kapitalrendite erlaubt.

Vereinfacht gilt folgender Zusammenhang: Primäres Ziel jeder attraktiven Systemautomatisierung für Verteilzentren ist natürlich die Senkung der Gesamtkosten. Zwar liegen die notwendigen Investitionen höher als bei herkömmlichen Ausführungen, aber die jährlichen Betriebskosten sinken in diesen Fällen um nachweislich 20 Prozent. Unter Berücksichtigung aller relevanten Werte liegen die Payback-Zeiten dann zwischen zwei und drei Jahren.

Ein weiteres Argument, den Materialfluss, die Kommissionierung und den Lagerbetrieb zu automatisieren, ist die veränderte Personalsituation in den USA - ähnlich wie in vielen anderen Industrieländern. Seit längerem sind Engpässe zu beobachten, die es zunehmend erschweren, geeignete und für diese Aufgaben motivierbare Mitarbeiter zu finden.

Ohne eigentlichen Unterschied fordern Kunden in allen Ländern mit entwickelten Marktstrukturen Logistikzentren unter dem Signum: Best Practice. Will der Anbieter diesem Anspruch genügen, dann muss er über ein großes Leistungsspektrum verfügen - das nach Breite und Tiefe ständig gewachsen ist, weiterhin wächst und jedem Vergleich mit anderen Feldern der Technik-Moderne standhält.

Kompetenz ist das Schlüsselwort auf zahlreichen eigenständigen Gebieten, die trotzdem eine Einheit bilden müssen: Dazu zählen Analysen und Planungen. Aber auch der gesamte IT-Bereich mit eigenen Softwareeinheiten für Steuerung, Verwaltung und Supply Chain.

Bereits im Vorfeld jeder Realisierung möchte sich der Kunde eingehend darüber informieren, welchen Rang die internationale Implementierungs-Kompetenz des Anbieters tatsächlich besitzt. Überzeugend wirken dabei allein die ausgeführten Logistikzentren. Schließlich sind noch Leistungen zu erbringen, die eine lebenslange Betreuung der Systeme garantieren.

Aus alldem ist abzuleiten, dass Unternehmen überhaupt erst mit einem Erfolg auf dem Weltmarkt rechnen dürfen, wenn sie eine kritische Mindestgröße überschritten haben.

Quelle: HANDELSBLATT

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