Kolumne
Verkehrstelematik – Wer wird profitieren und was sind die Erfolgsfaktoren?

Wenn man den aktuellen Prognosen Glauben schenkt, bietet der Verkehrstelematikmarkt in Europa in den kommenden Jahren hohes Wachstumspotenzial und somit attraktive Chancen für die beteiligten Unternehmen.

DÜSSELDORF. Unter den Begriff Verkehrstelematik fällt im weitesten Sinne sämtliche Kommunikation von und zu einem Fahrzeug. Gegenwärtig besteht das Portfolio der Verkehrstelematikdienste vorrangig aus Verkehrsinformations-, Navigations- und Routen-planungsdiensten, sowie Fahrzeuglokalisierung, Notruffunktionalitäten und der Übertragung von Telemetriedaten. Es wird erwartet, dass das künftige Wachstum durch die Erhöhung der Kundenbasis, die Erweiterung der Dienstevielfalt um mobile Informations- und Entertainmentdienste, sowie durch die Abrechnung derzeit noch gebührenfreier Dienste bestimmt wird.

Die Tatsache, dass die gegenwärtige Marktentwicklung hinter den Prognosen zurückbleibt, wirft jedoch die Frage auf, wie interessant der Verkehrstelematikmarkt tatsächlich ist. Auf Basis einer Marktuntersuchung kommen die Berater von KPMG Consulting zu der Einschätzung, dass sich der Markt derzeit noch in einer sehr frühen Phase befindet und bislang keiner der Anbieter im Markt etabliert ist. Mangelnde Kundenakzeptanz und hohe technische Unsicherheiten durch das Fehlen einheitlicher Standards sind die Hauptfaktoren, welche die Marktentwicklung bremsen. Dennoch bietet dieses "Start-up" Umfeld für alle heutigen und künftigen Akteure Optionen, von diesem Markt zu profitieren. Die Betrachtung der Wertschöpfung verdeutlicht, dass über die Bereitstellung von Verkehrstelematikdiensten Akteure unterschiedlicher Branchen verknüpft sind. Das Spektrum reicht von der Automobilherstellung, der Entwicklung von Hard- und Software über den Betrieb von Infrastrukturen bis hin zur Lieferung, Aggregation und Personalisierung von Inhalten.

Service Provider und Mobilfunkbetreiber werden am meisten profitieren

Gemäß einer einer weltweiten Umfrage von KPMG Consulting erwarten rund 43% der befragten Führungskräfte im Telematikumfeld, dass Service Provider und Mobilfunkbetreiber langfristig das größte Stück des "Telematikkuchens" unter sich aufteilen werden. Die deutlich kleineren Happen entfallen auf Content Provider, Hard- und Softwarehersteller, sowie die Automobilindustrie und den Handel. Zunächst müssen jedoch die notwendigen Infrastrukturen aufgebaut werden und Endgeräte weite Verbreitung erfahren haben. Daher werden die Hersteller und der Handel zeitlich vorgelagert profitieren, bevor Service Provider und Mobilfunkbetreiber durch die Dienstebereitstellung maßgeblich am Marktwachstum partizipieren können.

Beurteilt man die Marktattraktivität aus dem Blickwinkel der individuellen Zielsetzungen der einzelnen Unternehmen wird deutlich, dass der Markt für sämtliche Unternehmen interessant ist. Für Automobilhersteller ist Verkehrstelematik primär ein Instrument zur Erhöhung der Kundenbindung über die Gewinnung marketingrelevanter Kundendaten und die Verbesserung des Serviceangebotes für den Kunden. Darüber hinaus trägt beispielsweise die Funkübertragung von Telemetriedaten auch zur Kostenreduktion durch optimierte Geschäftsprozesse bei. Die Generierung direkter Umsätze aus Telematikdiensten ist für die Autohersteller von nachrangiger Bedeutung.

Im Gegensatz dazu streben Content Provider für Verkehrsdaten danach, ihre Umsatzströme primär durch Massenverkauf ihrer Informationen zu optimieren. Auch Mobilfunkbetreiber begreifen Verkehrstelematik zunehmend als strategische Chance, durch den Abruf und Transport der Dienste, den Datenverkehr über ihr Mobilfunknetz zu steigern und über verbesserte Netzauslastung ihren Umsatz zu erhöhen. Gemeinsam mit den Service Providern, die Verkehrstelematikdienste kreieren und bereitstellen, bilden sie das Bindeglied zwischen Kunde und Content. Im Idealfall vereinen Service Provider Automobil Know-how und Telekommunikationsexpertise. Einerseits um die Dienste zu erkennen, die den Fahrer unterstützen sowie die Effizienz des Fahrzeuges und des Verkehrsflusses verbessern, andererseits um diese Dienste auf Basis neuester Kommunikationstechnologien bereitstellen zu können. Hard- und Softwarehersteller haben über die Gestaltung der Endgeräte und der Benutzeroberflächen in Kombination mit attraktiver Bepreisung die Möglichkeit, die Marktentwicklung maßgeblich voranzutreiben.

Es wird deutlich, dass die zentrale Voraussetzung für die Realisierung der beschriebenen Zielsetzungen der Unternehmen, die Entwicklung zum Massenmarkt ist. Diese wird dann gelingen, wenn bestehende Kundenbedürfnisse abgedeckt und - noch wichtiger - neue Bedürfnisse geweckt werden können. Nach dem "ultimativen" Geschäftsmodell, auf Basis dessen diese Herausforderung eigenständig gemeistert werden kann, wird man jedoch aller Voraussicht nach vergebens suchen. Vor diesem Hintergrund werden sich Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette als entscheidendes Erfolgskriterium herauskristallisieren. Ziel muss es sein, auf Basis der Kernkompetenzen der Wertschöpfungspartner, Dienste bereitzustellen, die auf Grund ihrer Funktionalität, einfacher Handhabung und attraktiver Preisgestaltung kurzfristig bestehende Kundenbedürfnisse erfüllen und langfristig weitere Kundenakzeptanz schaffen. Wenn das gelingt, werden alle profitieren, vom Anbieter bis hin zu den Kunden.

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