Kolumne von Markus Koch
USA: Stunde der Wahrheit

Die Wall Street schwebt im Vakuum. Bis 20 Uhr deutscher Zeit dürften die Käufer - sollte diese unter Artenschutz stehende Spezies überhaupt noch existieren - am sicheren Ufer bleiben und die Verkäufer und bösen "Shortys" die Oberhand behalten. Um 20 Uhr schlägt für die Börsianer die Stunde der Wahrheit: Das Beige Book wird verkündet.

wsc NEW YORK. Das Beige Book, der von den 12 regionalen Notenbanken erstellte Bericht wird neues Licht ins Dunkel der US-Konjunktur bringen. Da Investoren gute Konjunkturnachrichten zu ignorieren scheinen, sollte man vor allem auf die Haken und Ösen der Studie achten. Bei Anzeichen einer nachlassenden Einkaufsgeilheit der Verbraucher dürften die Bullen wieder gehäutet werden. Stellt sich nun heraus, dass die Konjunkturerholung tatsächlich nur durch die Aufstockung der niedrigen Lagerbestände getragen wird, sollten sich die Bullen mindestens genauso warm anziehen. Wäre da noch das undenkbare: Das Beige Book signalisiert eine anhaltende Konjunkturerholung. Nehmen Investoren wieder die "Wen interessiert?s"-Haltung ein, dürfte eine darauf basierende Mini-Rallye die Überlebensdauer einer Eintagsfliege haben. Das Abschlagspiel zwischen "gute Nachricht-Mini-Rallye" und "schlechte Nachricht-Verkaufspanik" dürfte vorerst in Takt bleiben. Stahlhart trifft es heute den New Yorker Partykönig Samuel Waksal. Der Ex-Vorstand der Biotech-Klitsche ImClone darf zukünftig nur noch Leitungswasser aus Stahlbechern schlürfen. Wegen dem Vorwurf des Insiderhandels wurde Waksal zur Wochenmitte verhaftet. Schon mal an Windeln gedacht? Die meisten Investoren scheinen mittlerweile welche zu tragen. Vielleicht einer der Gründe, weshalb der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble die Ergebnisse nach oben revidieren kann. Das Ertragswachstum pro Aktie wird in der oberen 10 Prozentspanne liegen und damit die Schätzungen des Marktes übertreffen. Bei Prudential Securities wird der Wert mit einem Kursziel von 110 Dollar erneut zum Kauf empfohlen. Denn selbst wenn Windeln nicht mehr laufen sollten, dürften Taschentücher für die Tränen der geschröpften Anleger noch lange von Nöten sein. Apropos Tränen....da wären wir auch schon bei den Hightechs und Biotechs angekommen. Obwohl der Biotech Index gestern bereits über 8 Prozent verloren hat, dauert der Kursrutsch weiter an. Sowohl Biogen als auch Amgen und Abbot Labs verlieren trotz mangelnder Nachrichten schwächer. Den Leidensgenossen aus der Hightech-Ecke ergeht es im Handelsverlauf nicht wirklich besser. Während sich Morgan Stanley zu Juniper Networks negativ äußert, senkt Goldman Sachs die Prognosen für Siebel Systems und Prudential Securities für Micron Technology.

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