Kolumne Zinseszins
Sparen wider den inneren Schweinehund

Sie kennen das vielleicht auch: Eigentlich will ich mehr für meine Altersvorsorge tun. Nächsten Monat fange ich an. Nach drei Monaten ist immer noch nichts passiert. Oder: ich müsste mir mal anschauen, was ich so angespart habe, und einiges neu anlegen. Ein halbes Jahr später gammeln immer noch alte Titel aus der Aktienmarktblase im Depot. Das Vorsorgeverhalten der Deutschen beschäftigt jetzt auch die Wissenschaft. Warum handeln wir so irrational und tun nichts für unsere Rente?

Sie kennen das vielleicht auch: Eigentlich will ich mehr für meine Altersvorsorge tun. Nächsten Monat fange ich an. Nach drei Monaten ist immer noch nichts passiert. Oder: ich müsste mir mal anschauen, was ich so angespart habe, und einiges neu anlegen. Ein halbes Jahr später gammeln immer noch alte Titel aus der Aktienmarktblase im Depot. Das Vorsorgeverhalten der Deutschen beschäftigt jetzt auch die Wissenschaft. Warum handeln wir so irrational und tun nichts für unsere Rente?

Die wichtigsten Fehler sind Experten längst bekannt: Untersuchungen zur Anlegerpsychologie gibt es schon seit Anfang der 90er-Jahre. Dazu gehört etwa, dass beim inneren Kampf zwischen Disziplin und Spontaneität meistens die Spontaneität gewinnt. Ich müsste eigentlich sparen, aber das Sakko für den großen Auftritt ist jetzt wichtiger. Auch mögen Menschen nichts, was zu komplex ist. Altersvorsorge ist sehr vielschichtig. Abstrakt und mit vielen Unbekannten: Wie hoch ist meine künftige Versorgungslücke? Wie viel sollte ich sparen? Wo lege ich das Geld am vernünftigsten an? Die große Auswahl an Produkten verwirrt da bloß. Untersuchungen haben etwa gezeigt, dass Sparer tendenziell weniger Geld in Fonds stecken, wenn die Auswahl an Fonds größer wird. Inzwischen hat sich das Sparverhalten auch das Deutsche Institut für Altersvorsorge zum Thema gemacht, das der Deutschen Bank nahe steht. Im Auftrag des Instituts sammelt die Universität Münster neue Erkenntnisse zur Vorsorge-Psychologie. Einiges ist jetzt schon bekannt. Etwa, dass Risikostreuung oft ganz falsch verstanden wird.

Wer sein Geld auf genügend Anlageklassen - Aktien, Anleihen, Festgeld, eventuell auch Immobilien, Rohstoffe oder Kunst - verteilt, kann eine ansehnliche Rendite erzielen, ohne dass eine Hypothekenkrise oder ein Aktiencrash gleich das ganze Vermögen halbiert. Doch meist verstehen Sparer unter Streuung, dass sie ihr Geld gleichmäßig auf alle angebotenen Produkte verteilen. Wird dem Sparer etwa am Bankschalter eine Liste von zehn Zertifikaten angeboten, dann verteilt er gerne die 10 000 Euro mit je tausend Euro auf alle zehn Produkte.

Am Ende hat er aber nur Zertifikate im Depot. Die dazu gehörenden Risiken - etwa die Abhängigkeit vom Aktienmarkt - sind dann in allen Produkten enthalten. Besser wäre es vielleicht gewesen, sich einen vernünftigen, europaweiten Aktienindex-Fonds herauszusuchen und dort etwa 30 Prozent der Summe anzulegen, ein paar sichere Staatsanleihen oder Festgeld dazuzumischen, und nur den Rest vielleicht in Zertifikate oder gar das Bild eines jungen, vielversprechenden Künstlers zu stecken.

Auch investieren Anleger lieber in das, was sie kennen. Das ist vielleicht gar nicht so schlecht, wenn es um Musikinstrumente oder Pferdezucht geht. Bei Aktien aber sollte das Portfolio nicht nur heimische Aktien enthalten. Dann geht etwa bei einer Bankenkrise im Heimatland viel Geld den Bach hinunter, das boomende Asien aber schlägt sich nicht im Portfolio nieder.

Und was, wenn Altersvorsorge zwar wichtig erscheint, aber der Verzicht auf die Urlaubsreise einfach zu schwer fällt? Auch hier haben Verhaltensforscher schon einen Weg entdeckt: Den "Smart-Plan", der nach dem Prinzip "Save more tomorrow" (spare lieber morgen mehr) funktioniert. Ein mittelständisches US-Unternehmen hat danach seinen Mitarbeitern angeboten, nur das Geld aus der nächsten Gehaltserhöhung in die Vorsorge zu stecken. Das tat dann erst einmal nicht so weh. Zwei Drittel der Mitarbeiter stimmten dem Plan zu. Zuvor hatte die überwiegende Mehrheit trotz bester Beratung auf Vorsorgesparen verzichtet.

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