Kombilohn-Versuche in Deutschland

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Kombilohn-Versuche in Deutschland

Die Bundesregierung will mit einem Kombilohn neue Arbeitsplätze schaffen. Mehrere Bundesländer experimentieren seit längerem mit Modellversuchen.

rtr MÜNCHEN. Die wichtigsten Programme:

MAINZER MODELL: Das seit Juli 2000 laufende "Mainzer Modell" ist das bekannteste Programm. Ursprünglich in Rheinland-Pfalz und Brandenburg erprobt, könnte es nach Überlegungen der Bundesregierung bundesweit ausgeweitet werden. Geringverdiener bekommen dabei einen Zuschuss zu ihren Sozialversicherungsbeiträgen, gestaffelt nach dem Bruttoeinkommen. Ledige ohne Kinder erhalten bei einem Einkommen von 325 bis 897 ? für maximal 36 Monate einen Zuschuss. Familien bekommen zudem einen Zuschlag von maximal 77 ? pro Kind. Bis Dezember wurden nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit 838 Arbeitnehmer gefördert, womit das Mainzer Modell das erfolgreichste Programm ist.

SAAR-MODELL: Das Saar-Modell wird ebenfalls seit Sommer 2000 im Saarland und in den sächsischen Arbeitsamtsbezirken Chemnitz und Zwickau erprobt. Arbeitgeber erhalten einen gestaffelten Zuschuss zu den Sozialversicherungsbeiträgen, wenn sie schwer vermittelbare Menschen einstellen. Arbeitnehmer erhalten außerdem einen Anspruch auf eine Qualifizierung und Angebote zur Weiterbildung, um ihre Chancen langfristig zu verbessern. Bis Dezember wurden so nach amtlichen Angaben 272 Arbeitnehmer gefördert.

SCHLESWIG-HOLSTEIN: Schleswig-Holstein fördert Arbeitslose seit dreieinhalb Jahre über eine Agentur, die bei Unternehmen gezielt nach offenen Stellen sucht. Berater der Personalserviceagentur helfen Langzeitarbeitslosen und Menschen mit geringer Qualifikation bei der Bewerbung, Vorstellungsgesprächen und Qualifizierung. Kommt ein Arbeitsvertrag zu Stande, übernimmt der Staat für ein Jahr die Sozialversicherungsbeiträge in einer Höhe von maximal 6200 ?.

War das Projekt ursprünglich auf zwei Regionen beschränkt, so ist die Agentur mit Unterstützung des Bundes jetzt landesweit tätig. In den ersten drei Jahren wurden nach Angaben der Landesregierung rund 200 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.

HESSEN: Hessen fördert Sozialhilfeempfänger, die mindestens ein Jahr arbeitslos sind, mit einem "Einstiegsgeld" von etwa 300 ?, wenn sie einen festen Arbeitsplatz finden. Der Zuschuss ist auf 18 Monate befristet. Nach Angaben des Sozialministeriums wurden bei einem Pilotprojekt in sieben Städten und Kreisen rund 100 Erwerbslose vor allem in die Dienstleistungsbranche und Gastronomie vermittelt, davon rund 72 % Frauen.

HAMBURG/NORDRHEIN-WESTFALEN: Hamburg hat drei Förderprogramme für Arbeitslose. Firmen können einen Zuschuss von etwa 1270 ? pro Monat bis zu einem halben Jahr bekommen, wenn sie einen schwer vermittelbaren Arbeitslosen einstellen. Arbeitgeber erhalten zudem einen Zuschuss von rund 2500 ?, wenn sie einem Arbeitslosen eine Qualifizierung bezahlen. Auch Sozialhilfeempfänger bekommen einen Lohnzuschuss, dessen Höhe sich nach dem Einkommen richtet.

Nordrhein-Westfalen hat zwölf örtlich beschränkte Programme.

ANDERE BUNDESLÄNDER: Niedersachen hat Anfang Januar angekündigt, das "Mainzer Modell" zu übernehmen. Wann dies beginnen soll, ist noch unklar. Bayern und Thüringen haben einen Antrag in den Bundesrat eingebracht, um Kombi-Löhne einzuführen. Einzelheiten stehen noch nicht fest.

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