Komitee tagt in Prag
Gute Noten für Köhler an der IWF-Spitze

dpa-afx PRAG. Der neue IWF-Generaldirektor Horst Köhler hat gute Noten für die ersten Monate seiner Arbeit an der Spitze des Internationalen Währungsfonds erhalten. Die Finanzminister wichtiger Mitgliedsländer lobten am Sonntag in der Sitzung des Internationalen Währungs- und Finanzkomitees in Prag die Fortschritte bei der Reform des Währungsfonds. Das politische Lenkungsorgan bereitete die Jahrestagung von IWF und Weltbank vor, die am Dienstag in der tschechischen Hauptstadt beginnt.

Der IWF habe eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der jüngsten Wirtschafskrisen gespielt, stellte US-Finanzminister Larry Summers fest. Er bleibe eine unverzichtbare Institution, um die Stabilität der internationalen Finanzmärkte zu gewährleisten. "Der IWF ist dann am erfolgreichsten, wenn er Kreditvergabe völlig vermeidet - mit anderen Worten, wenn er Krisen vorbeugt", sagte Summers. Wenn dies nicht gelinge, müssten die Kredite des Fonds nach folgenden Gesichtspunkten vergeben werden: mit kurzen Laufzeiten, eher abschreckenden Zinssätzen und Bedingungen, die eine frühzeitige Rückzahlung fördern. Er begrüßte, dass die jüngste Reform der Kreditprogramme des IWF diesen Vorgaben folgten.

Während Bundesfinanzminister Hans Eichel ähnlich argumentierte, legte Frankreichs Finanzminister Laurent Fabius besonderes Gewicht auf die Rolle des IWF bei der Armutsbekämpfung. "Der Kampf gegen die Armut ist unsere gemeinsame Priorität, und deshalb auch die des IWF." Er unterstützte damit ausdrücklich die Position Köhlers. In seinen programmatischen Vorstellungen über die künftige Rolle des Währungsfonds hat der Deutsche der Armutsbekämpfung einen gleichwertigen Rang neben den monetären Aufgaben des IWF eingeräumt.

Weltbankpräsident James Wolfensohn unterstrich die Notwendigkeit einer noch engeren Zusammenarbeit von Weltbank und IWF. Dies gelte vor allem für das Erkennen von Schwachpunkten in einzelnen Ländern und deren Finanzsystemen. Die Schwesterorganisationen sollten aber nicht in Konkurrenz zueinander treten.

Der ehemalige Weltbank-Chefvolkswirt Joseph Stiglitz bezichtigte den IWF allerdings einer schädlichen Politik. Die Demonstranten in Prag zeigten das Gefühl: "Es wird zu wenig auf Demokratie und Umweltschutz geachtet." In der "Welt am Sonntag" machte Stiglitz die sture Liberalisierungspolitik des IWF auch für die Wirtschaftskrise in einigen Staaten Asiens verantwortlich. Unter Köhler seien die IWF-Erklärungen zwar versöhnlicher geworden. Doch sei zu befürchten, dass der IWF weiter verschuldeten Ländern nicht nur Handlungsalternativen aufzeige, sondern "hinter verschlossenen Türen" seine Politik festlege. Den Staaten bleibe dann nur die Wahl, dem Rat zu folgen oder kein Geld mehr zu bekommen.

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