Kommandeur der Al-Aksa-Brigaden in Hebron getötet
Suche nach Ende im Nervenkrieg von Bethlehem

Drei Wochen nach Beginn der Belagerung in Bethlehem wollen Israel und die Palästinenser den Versuch unternehmen, eine Verhandlungslösung für den Konflikt um die Geburtskirche herbeizuführen. Für Dienstag vormittag sei ein Treffen zwischen beiden Seiten geplant, teilten palästinensische Vertreter mit.

WiWo/ap RAMALLAH. In der Umgebung der christlichen Kirche fielen am Montagabend erneut Schüsse. Beide Seiten beschuldigten sich gegenseitig, zuerst geschossen zu haben. In der Kirche halten sich seit dem 2. April rund 200 bewaffnete Palästinenser verschanzt. Mit ihnen sind etwa 35 Priester und Nonnen eingeschlossen. Die Situation verschlechtere sich von Tag zu Tag, sagte der anglikanische Gesandte Andrew White. Die Eingeschlossenen hätten keine Lebensmittel mehr, die hygienischen Bedingungen seien unerträglich.

Auch nach dem Teilabzug aus den palästinensischen Autonomiegebieten setzt Israel seine Politik gezielter Angriffe fort. Ein Hubschrauber feuerte am Montagabend mehrere Raketen auf ein Auto in Hebron ab. Dabei wurden der örtliche Kommandeur der Al-Aksa-Brigaden, Marwan Sallum, und ein zweiter Mann getötet.

Sallum stand nach Angaben palästinensischer Polizisten auf einer Liste von 33 Aktivisten, deren Festnahme Israel verlangt hat. Die der Fatah-Bewegung von Jassir Arafat nahe stehenden Al-Aksa-Brigaden haben sich zu mehreren Selbstmordanschlägen in Israel bekannt. Die israelischen Streitkräfte bestätigten den Hubschrauberangriff. Mehrere hundert Menschen versammelten sich in der Nacht um das verkohlte Auto.

Zuvor waren bei Zusammenstößen im Westjordanland und im Gazastreifen sieben Palästinenser und ein israelischer Soldat ums Leben gekommen. In Ramallah schossen Kämpfer der Al-Aksa-Brigaden auf drei Palästinenser, die als Informanten für Israel galten; einer von ihnen erlag seinen Verletzungen.

Zehn Aktivisten der internationalen Friedensbewegung verließen am Montagabend den Amtssitz des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat in Ramallah, wo sie sich seit Ende März aufgehalten hatten. Sie wurden festgenommen und sollen bis zu ihrer Abschiebung in Haft bleiben, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Bei den Festgenommenen handelt es sich um neun Personen aus Frankreich und eine aus Brasilien. Mehr als 20 Aktivisten harren weiter in Arafats Amtssitz aus.

Die palästinensische Autonomieverwaltung warf Israel vor, bei der Besetzung von Ministerium Akten und Geld entwendet zu haben. Aus dem Verkehrsministerium seien die Registrierungsdaten von Autos mitgenommen worden, aus dem Bildungsministerium die Datenbank aller Studenten. Im Bildungsministerium hätten die Soldaten einen Tresor gesprengt und 40 000 Schekel (9 000 ?) mitgenommen, sagte Ministeriumssprecher Salah Subani. "Unsere Ministerien sind nahezu völlig zerstört worden", sagte der palästinensische Informationsminister Jassir Abed Rabbo. Der israelische Regierungssprecher Raanan Gissin sagte, das Bildungsministerium sei ein Ort der Aufhetzung gewesen.

Unterdessen kritisierte Israel die Zusammensetzung der am Montag von den Vereinten Nationen eingesetzten Untersuchungskommission für das Vorgehen der Truppen im palästinensischen Flüchtlingslager Dschenin. Die Berufung des früheren finnischen Präsidenten Martti Ahtisaari, des ehemaligen Rotkreuzpräsidenten Cornelio Sommaruga und der füheren UN-Flüchtlingskommissarin Sdakao Ogata sei entgegen den Zusagen der Vereinten Nationen nicht mit Israel abgestimmt worden, kritisierte der Verteidigungsminister Binjamin Ben-Elieser in einem Telefongespräch mit UN-Generalsekretär Kofi Annan. Zugleich verlangte er, dass der pensionierte US-General William Nash, der die Kommission als Militärberater unterstützen soll, dem Gremium als Vollmitglied angehört.

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