Kommando in brenzligen Zeiten: Deutschland übernimmt ISAF-Führung

Kommando in brenzligen Zeiten
Deutschland übernimmt ISAF-Führung

Im gefährlichsten Einsatz ihrer Geschichte steht die Bundeswehr vor einer neuen Herausforderung: An diesem Montag übernimmt Deutschland gemeinsam mit den Niederlanden das Kommando der internationalen Schutztruppe in Afghanistan (ISAF).

HB/dpa BERLIN/KABUL. Sechs Monate lang werden Deutsche und Niederländer den Befehl führen - eine brisante Aufgabe in einer Zeit, in der von Ruhe in Afghanistan keine Rede sein kann und die USA gegen den Irak in den Krieg ziehen wollen. Ein Angriff auf den Irak könnte auch die angespannte Situation am Hindukusch weiter verschärfen.

Zwar betont Verteidigungsminister Peter Struck, der ISAF-Einsatz stehe politisch und militärisch nicht im Zusammenhang mit der Irak- Krise. Zudem sind die Deutschen in weiten Teilen der Bevölkerung außerordentlich beliebt, waren sie doch nie in die Kämpfe verwickelt, die Afghanistan mehr als 22 Jahre beherrscht hatten. Doch bei einem Militärschlag gegen die Glaubensbrüder in Bagdad könnte die Stimmung auf den Straßen Kabuls kippen - das wäre Wasser auf die Mühlen der immer noch in dem Land operierenden Extremisten.

"Ich denke schon, dass ein Militärschlag im Irak Auswirkungen auf die Sicherheit in einem islamischen Land wie Afghanistan haben kann", sagt der künftige ISAF-Befehlshaber, der Bundeswehr-General Norbert van Heyst. "Die öffentliche Meinung in der Bevölkerung wird durch so etwas stark beeinflusst, das haben wir auch im zurückliegenden Golfkrieg gesehen." Sollte die Lage eskalieren, werde die Eigensicherung der Truppe im Vordergrund stehen. Als letzte Maßnahme bleibe nur der Abzug, sagt der General: "Die Ultima Ratio lautet: Wir müssen hier raus."

Ohne ISAF aber, so Außenminister Joschka Fischer (Grüne), gäbe es im geschundenen Afghanistan keinen Frieden, keine Stabilität, keinen Wiederaufbau. "Es gibt zum internationalen Engagement in Afghanistan keine Alternative, wenn wir die Lehren aus dem 11. September 2001 wirklich gezogen haben", sagte Fischer bei der Verlängerung des ISAF- Mandats für die deutschen Soldaten im Dezember im Bundestag. Struck betonte Ende vergangenen Jahres: "Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt."

Schon jetzt ist diese Aufgabe gefährlich genug. Mehr als ein Jahr nach der Vertreibung der Taliban kommt es immer wieder zu Kämpfen zwischen den in Afghanistan stationierten US-Truppen und Rebellen. Auch gibt es alarmierende Warnungen vor dem Wiedererstarken von regionalen Kommandeuren wie dem früheren Mudschahedin Gulbuddin Hekmatjar - dieser soll mit den Taliban und dem Terrornetz El Kaida an einer neuen Koalition arbeiten.

Wie brenzlig die Lage ist, haben die deutschen Soldaten in Kabul schon häufiger zu spüren bekommen. Zuletzt schlugen vor gut einer Woche Raketen in der Nähe ihres Camps ein, vergangenen Dezember sprengte sich ein Attentäter mit einer Handgranate vor dem Lager in die Luft - dabei kamen die deutschen Soldaten bislang stets mit dem Schrecken davon. Doch die Gefahren lauern auch an ganz anderer Stelle.

So starben kurz vor Weihnachten sieben Bundeswehr-Soldaten beim Absturz eines Hubschraubers. Der Versuch, eine Rakete zu entschärfen, kostete vor knapp einem Jahr zwei Deutsche und drei Dänen das Leben. Eine traurige Bilanz der 13 Monate, in denen sich die Soldaten nun schon fern der Heimat für den Frieden engagieren: Noch nie musste Deutschland bei einem Auslandseinsatz der Bundeswehr mehr Tote beklagen.

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