Kommen und Gehen
Fast alle Verteidigungsminister waren glücklos

Rudolf Scharping wäre der zwölfte Bundesverteidigungsminister, der aus dem Amt scheidet. Es ist wohl das am schwierigsten zu führende Bundesministerium. Bis auf den späteren Bundeskanzler Helmut Schmidt und Scharpings CDU-Vorgänger Volker Rühe hatten alle Minister in diesem Amt wenig Glück. Die Mehrzahl der Ressortchefs trat unfreiwillig ab.

dpa BERLIN. Theodor Blank (CDU), erster Verteidigungsminister, scheidet im Oktober 1956 nach 16-monatiger Amtszeit aus. Er wirft entnervt das Handtuch, weil der Aufbau der neuen Armee (Ziel: 500 000 Mann) sich nicht wie von ihm gewünscht bewältigen lässt. Blank wird später Arbeitsminister.

Franz Josef Strauß (CSU) steht im Zentrum einer Debatte um Atomwaffen in Deutschland. Im Dezember 1962 stürzt er über die "Spiegel"-Affäre – die Durchsuchung des Hamburger Nachrichtenmagazins nach einem kritischen Artikel.

Kai-Uwe von Hassel (CDU) kommt von zwei Seiten unter Beschuss: Die Absturzserie des Kampfflugzeuges Starfighter und ein Streit mit dem Generalinspekteur und Luftwaffeninspekteur (die den Abschied nehmen) schlagen ihn an. Er hält aber bis zur Bildung der Großen Koalition 1966 durch.

Gerhard Schröder (CDU), von Haus aus Außenpolitiker, fühlt sich unwohl in dem Amt. Er erkrankt schwer (Herzrhythmusstörung) und hat Mühe, das Amt seinem Nachfolger zu übergeben.

Helmut Schmidt (SPD) zieht im Oktober 1969 als erster Sozialdemokrat auf der Bonner Hardthöhe ein. Ihm gelingt es, das Ministerium aus den Schlagzeilen herauszuholen. Anfang 1972 bricht er erschöpft zusammen und ist erst nach Wochen wiederhergestellt.

Georg Leber (SPD), seit Juli 1972 im Amt, erfreut sich großer Beliebtheit bei der Truppe. Im Februar 1978 stürzt "Schorsch" Leber über Abhöraktionen des Militärischen Abschirmdienstes (MAD).

Hans Apel (SPD) gerät bei der so genannten Tornado-Affäre wegen Kostenüberschreitungen und Eigenmächtigkeiten der Rüstungsabteilung im Ministerium ins Zentrum der Kritik. Rücktrittsforderungen wehrt er ab. Apel scheidet mit der sozial-liberalen Koalition im Oktober 1982 aus dem Ministeramt.

Manfred Wörner (CDU) bietet Anfang 1982 seinen Rücktritt an, nachdem sich die Frühpensionierung von General Günter Kießling wegen angeblicher Homosexualität als haltlos erweist. Kießling wird voll rehabilitiert. Wörner wird im Mai 1988 Nato-Generalsekretär.

Rupert Scholz (CDU) scheidet bereits nach nur elf Monaten im April 1989 im Zuge einer Kabinettsumbildung aus dem Amt aus. Er galt als "glücklos" und ohne guten Kontakt zur Bürokratie und zur Truppe.

Gerhard Stoltenberg (CDU) übersteht die Affäre über die Lieferung von Material der Nationalen Volksarmee (NVA) an Israel mit Hinweis auf Eigenmächtigkeiten von Beamten. Die Lieferung von Panzern an die Türkei trotz gegenteiligen Beschlusses des Bundestages beendet seine Amtszeit vorzeitig im März 1992.

Volker Rühe (CDU) schaffte die bislang längste Amtszeit. Sie war geprägt vom weltpolitischen Umbruch der 90er Jahre, der Auflösung der DDR-Armee und dem Aufbau der Bundeswehr in den neuen Ländern. Auch Rühe musste bereits eine ständig sinkende Finanzausstattung der Streitkräfte verkraften, was zur Folge hatte, dass sich die Personalstärke über das vorgesehene Maß hinaus weiter verringerte.

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