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Kommentar: Arafats Optionen

Seine Macht kann Arafat nur behalten, wenn es ihm gelingt, die Terrorgruppen auszuschalten.

In Afghanistan neigt sich die erste Phase des Anti-Terror-Kampfs ihrem Ende entgegen. In Israel nicht. Auch nach dem letzten verzweifelten Versuch von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat, die Terrorserie in Israel zu beenden, gibt es keine Anzeichen dafür, dass die Spirale der Gewalt im Nahen Osten schnell beendet werden könnte. Arafat bleiben keine Optionen mehr, will er nicht erneut im tunesischen Exil landen. Die Führungsrolle in den Autonomen Gebiete wird er nur dann behalten können, wenn es ihm gelingt, Terrororganisationen wie Hamas, Hisbollah oder den islamischen Jihad endgültig auszuschalten. Reden hilft dafür nicht. Jetzt sind Taten gefordert.

Arafat muss einen klaren Trennungsstrich zwischen der PLO und den Fanatikern ziehen. Das wird umso komplizierter, als tödliche Anschläge auf Israelis offenkundig in Arafats eigenen Reihen geplant und ausgeführt werden. Seine Polizei und seine persönliche Miliz sind inzwischen zu einem bevorzugten Ziel israelischer Vergeltung geworden. Das kann man Israels Premier Ariel Scharon auch kaum verwehren, denn kein Regierungschef kann tolerieren, dass immer mehr Bürger seines Landes dem sinnlosen Blutvergießen zu Opfer fallen. Arafats Position wird umso schwächer, je deutlicher das israelische Militär das Heft in die Hand nimmt und vor der Weltöffentlichkeit demonstriert, dass Arafats Mittel nicht ausreichen, um Sicherheit zu gewährleisten. Kann der PLO-Chef nicht schleunigst unter Beweis stellen, dass er noch Herr im palästinensischen Haus ist, erodiert seine Machtbasis noch schneller als in den vergangenen Wochen.

Zu lange hat der PLO-Chef darauf gesetzt, dass Hilfe von außen kommen könnte. Doch die USA haben Scharon sogar grünes Licht für die Eindämmung des Terrors gegeben. Die Europäische Union spart zwar nicht mit Solidaritätsadressen für Arafat, seitdem er von Israel für irrelevant erklärt worden ist, hat aber keine politischen Mittel, um dem bedrängten Palästinenserchef wirksam zur Hilfe zu eilen. Sie kann es auch gar nicht, will sie nicht dem Terror Vorschub leisten. Ihre eindeutige Verurteilung der jüngsten Anschläge mag bei Arafat die letzten Illusionen beseitigt haben. Nur aus eigener Kraft kann er einen Weg aus der drohenden Isolation suchen. Gelingt ihm das zu spät, bestraft ihn das Leben.

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