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Kommentar: Auch für Zocker bleibt viel übrig

"Wir werden den Neuen Markt nicht untergehen lassen", hat Vorstand Volker Potthoff von der Deutschen Börse bei der Vorstellung neuer Ausschlussregeln für dieses Segment beteuert. Doch wer auf eine rasche Entfernung der sogannten Penny Stocks aus dem Neuen Markt gehofft hat, sieht seine Erwartungen enttäuscht. Erst zum Stichtag 1. Oktober treten die neuen Regeln in Kraft. Insolvente Unternehmen werden nach einem Monat ausgeschlossen, das Delisting eines solventen "Pfennig-Werts" kann frühestens nach 120 Börsentagen verfügt werden. Bis zum endgültigen Verschwinden vom Kurszettel des Neuen Markts dauert es dann noch einmal einen Monat. Frühestens Ende April/Anfang Mai kann sich somit ein von Penny Stocks gereinigter Neuer Markt präsentieren.

Trotzdem bedeuten die neuen Regeln einen Schritt nach vorn, der Neue Markt lernt dazu. Denn speziell eine Wachstumsbörse, an der Papiere mit hohem Chance/Risiko-Profil gehandelt werden, braucht effektive Ausschlusskriterien. Sonst läuft der Markt in schlechten Zeiten mit Pfennig-Werten voll, in die nur noch Zocker investieren, und die die Qualität des Segments insgesamt schädigen. Ein Vergleich mit dem Neuen-Markt-Vorbild Nasdaq mag dies illustrieren: Von Januar bis Juni 2001 hatte die Nasdaq mit insgesamt 4.436 notierten Unternehmen 525 Abgänge zu verzeichnen. Der Neue Markt mit 342 Gesellschaften brachte es dagegen im gleichen Zeitraum nur auf sieben aus dem Handel genommene Unternehmen.

Und welches Börsenschicksal ereilt die Ausschlusskandidaten? Die Drohung eines Delistings dürfte diese Werte noch stärker unter Druck bringen. In den vom Ausschluss bedrohten Titeln wird zudem auch die Volatilität zunehmen. Schließlich kann eine positive Meldung oder nur ein Gerücht dafür sorgen, dass ein Wert, auf den niemand mehr einen Pfifferling zu setzen gewillt war, letztendlich doch nicht ausgeschlossen wird. Gemach also, Ihr Zocker und Kurzfristinvestoren, auch mit den neuen Regeln wird Euer Weizen blühen!

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