Kommentar: Aufschwung in Sicht

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Kommentar: Aufschwung in Sicht

Angeführt von den USA und den Schwellenländern scheint sich nach der Rezession 2001 erneut ein starkes Weltwirtschaftswachstum zu entwickeln. Das US-Wachstum wird in den verbleibenden drei Quartalen etwa vier Prozent erreichen. Fast alle anderen Volkswirtschaften sollten sich spätestens im zweiten Halbjahr auch wieder auf Wachstumskurs befinden.

Dieser unerwartet günstige Ausblick ergibt sich aus den aktuellen Wirtschaftsdaten, die sich noch auf das Ende des letzten Jahres beziehen. Vor allem die Ereignisse des 11. September haben sich auf die Weltwirtschaft wie ein Katalysator ausgewirkt. Haushalts- und Geldpolitik wurden gelockert, Unternehmen drosselten die Produktion, und die Lagerbestände wurden in beschleunigtem Tempo abgebaut. Während so die wirtschaftliche Aktivität im letzten Quartal 2001 gedämpft worden ist, wurde gleichzeitig der Weg für eine robuste Erholung Anfang 2002 geebnet.

In fast allen Ländern hatte sich die Konjunktur 2000/2001 fast gleichzeitig verlangsamt. Die Ursachen für diese Konjunkturschwäche hatten globalen Charakter: hohe Energiepreise 1999, die Geldverknappung weltweit, der Rückgang bei den High-Tech Ausgaben, den Unternehmensgewinnen und bei den Aktienkursen.

Obwohl die daraus resultierende Konjunkturverlangsamung in den meisten Ländern relativ glimpflich verlief, hatte sie für die Weltwirtschaft gravierende Folgen. Die Jahre 2000/2001 kennzeichneten seit mindestens 30 Jahren die schwächste Periode für das globale Wachstum über einen Zeitraum von zwei Jahren. Die Terrorangriffe des vergangenen September führten dazu, dass sich Politik und Wirtschaft schnell auf das Wesentliche konzentrierten. Es wurden Maßnahmen ergriffen, die die Wirtschaft in Schwung bringen sollten, unter anderem die zügige Umsetzung einer expansiven Geldpolitik. Trotz sinkender Produktion und Investitionen blieben die Verbraucherausgaben überraschend stabil, speziell in den USA, wo Steuersenkungen es den privaten Haushalten erlaubten, ihre Sparquote zu erhöhen, ohne den Konsum einschränken zu müssen.

Trotz eines stärker als erwarteten Weltwirtschaftswachstums wird die Inflation im Verlauf des Jahres wegen der vorhandenen Überkapazitäten sinken - für Investoren eine ungewöhnliche Kombination.

Die vorausschauende Sorge der US-Notenbank gilt den Konjunkturrisiken. Daher gehen wir davon aus, dass Fed-Chef Greenspan am 30. Januar den Zinssatz für Tagesgeld um weitere 25 Basispunkte auf 1,5 % senken wird. Ein solcher Zinssatz erscheint uns angemessen.

John Lipsky ist Chefvolkswirt bei JP Morgan in New York.

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