Kommentar aus New York
Greenspan: Wenn alle Welt hinhört

Angesichts der zahlreichen Unsicherheiten mit denen Investoren derzeit zu kämpfen haben, wird der geldpolitische Halbjahresbericht den US-Notenbank-Chef Alan Greenspan am Dienstag dem Kongress unterbreiten wird, mit großer Spannung erwartet.

NEW YORK. Für Investoren wird nur die Politik der Notenbank im Mittelpunkt des Interesses stehen. Speziell in diesem Zusammenhang könnte Greenspan den Optimismus der Federal Reserve (Fed) über ein nachhaltiges Wachstum der US-Wirtschaft zum Ausdruck bringen.

Desweiteren wird der US-Notenbank-Chef den Senatoren versichern, dass die Fed geldpolitische Instrumente besitzt, die sie, um einer Verlangsamung der Konjunktur entgegenzuwirken, einsetzen kann. Genauer gesagt wird Alan Greenspan erneut die positive Einschätzung der Fed über die wirtschaftlichen Aussichten unterstreichen, die anlässlich der Sitzung des Offenmarktausschusses im Juni veröffentlicht wurde. Damals hatte die Fed kundgetan, dass sie in den kommenden Quartalen von einer Beschleunigung des Nachfragewachstums ausgeht.

Darüber hinaus wird Greenspan die potenziellen Risiken, die durch den Kursverfall an den Aktienmärkten weltweit und durch den angeschlagenen Ruf der US-Standards für die Unternehmensführung und Buchhaltung entstanden sind, einräumen. Er wird mit hoher Wahrscheinlichkeit aber auch darauf hinweisen, dass diese Befürchtungen nicht ausschließlich auf die US-Märkte zutreffen. Noch reichen sie dafür aus, positive Faktoren, wie einen starken Produktivitätsschub und eine Verbesserung der Rentabilität bei den Unternehmen, zu überlagern

Zweifellos wird der Verfall der Aktienkurse die wirtschaftliche Aktivität bis zu einem gewissen Grad dämpfen. Gleichzeitig wird Greenspan aber darauf hinweisen, dass die Kreditkosten für die meisten Kreditnehmer gesunken sind, während der Börsenrückzug von wesentlich niedrigeren Erlösen bei Staatsanleihen begleitet wurde.

Ferner wird Greenspan die Senatoren daran erinnern, dass die Geldpolitik der Fed bei einem aktuellen Zinssatz für Tagesgeld von 1,75 % weiterhin expansiv bleiben wird. Anders ausgedrückt: Die Geldpolitik der Federal Reserve liefert bereits jetzt kontinuierliche Impulse für die US-Konjunktur, und eine weitere Zinssenkung sollte diesen Effekt verstärken.

Der Halbjahresbericht wird auch die Erwartungen des Offenmarktausschusses für die Entwicklung der US-Wirtschaft in 2003 beinhalten. Die Wachstumsprognose für das Bruttoinlandsprodukt wird sich voraussichtlich um 3,5 % und eine Steigerung der Inflation von kaum mehr als 1,5 % drehen. Entsprechen die Prognosen in etwa denen der Fed, sind die Erwartungen der Investoren, dass sich die Fed mit der ersten Zinserhöhung bis in das kommende Jahr Zeit lassen wird, gerechtfertigt.
Quelle: Handelsblatt

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