Kommentar
Bei Künstlern findet Napster keinen Anklang

HB DÜSSELDORF. Als mein jüngerer Bruder Jimmy und ich um die Ecke zum riesigen Parkplatz der Konzert-Arena bogen, sahen wir sofort den schmierigen Hippie mit seiner großen Tasche. Wir näherten uns dem jungen Mann und traten vor seine drei bis vier Kunden. Obwohl ich mein Haar zu einem Pferdeschwanz zurückgebunden hatte, sah er verwirrt aus. Dennoch erwarteten wir, dass er mich erkennen würde - schließlich verkaufte er Ted-Nugent-T-Shirts vor einem ausverkauften Ted-Nugent-Konzert.

Wir nahmen ihn in die Mitte und erklärten ihm, dass er keine Hemden verkaufen dürfe, auf denen mein Name und mein Foto aufgedruckt seien. Es sei illegal, unfair und unannehmbar. Dann rissen wir ihm die Segeltuchtasche mit seiner Handelsware und das Geld aus der Hand. Hinter der Bühne verteilten wir die erbeutete billige Importware an Freunde und Mitglieder der Crew. Einige der Fetzen habe ich zum Reinigen meiner Gewehre benutzt.

Über Jahre hinweg haben wir diese Aktion quer durch Amerika wiederholt, fest entschlossen, die ungerechte Vermarktung von Raubkopien meines Copyright-geschützten Bildes zu unterbinden. Gelegentlich trafen wir auf Widerstand, aber das hat mich niemals daran gehindert, das zu nehmen, was rechtmäßig mir gehört. Zum Teufel, ich jage Grizzly-Bären mit Pfeil und Bogen. Traut euch, ihr Penner!

Ich brauche niemanden, der mir erklärt, ob das Verkaufen oder Verschenken anderer Leute Eigentum ein angemessenes Verhalten ist. Der gesunde Menschenverstand reicht dazu völlig aus, es sei denn, man ist stoned, betrunken, gierig oder einfach nur dumm. Allein die Vorstellung, dass jemand behaupten könnte, Napster habe das Recht, die Werke eines Künstlers zu verschenken, ist lächerlich.

Hey, ich habe eine gute Idee! Ich werde mich vor dem nächsten Lebensmittelladen stellen und die Waren an die Passanten verschenken. Es ist völlig egal, dass der Eigentümer des Ladens das Risiko trägt, Steuern und Fixkosten bezahlt und sich krumm legt, um einen guten Service zu liefern und Arbeitsplätze zu schaffen. Zum Teufel, nein! Ich werde einfach seine Waren und sein hart verdientes Geld verschenken. Was denkt er eigentlich, wer er ist?

Das Gleiche gilt für Musiker. Wir investieren Schweiß und Blut und Millionen von Dollar, um Schallplatten zu produzieren. Es bedarf Jahre irrsinniger Opfer, mörderischer Konzerttouren und immenser Anstrengungen. Die Vorstellung, dass ein Dritter das Recht habe, unsere Produkte ohne jegliche Kompensation zu verteilen, ist hirnrissig und unamerikanisch.

39-Prozent-Rückgang bei CD-Singles

Die Recording Industry Association of America führt einen 39-Prozent-Rückgang bei CD-Singles in 1999 auf die Internetmusikbörse Napster zurück. Die Verkäufe normaler CDs gingen ebenfalls dramatisch zurück. In der kurzen Zeit, die Napster vor Gericht verbracht hat, stiegen die Nutzerzahlen von wenigen Tausend auf mehr als 50 Millionen. Gott sei Dank herrscht noch gesunder Menschenverstand in den US-Gerichten, die vor kurzem entschieden haben, dass Napster keine unautorisierten Titel mehr vermitteln darf.

Künstler - oder von mir aus auch Lebensmittelhändler - können sehr wohl ihre Produkte zu Werbe- oder Marketingzwecken verschenken. Aber legitimerweise kann nur der Betroffene diese Entscheidung fällen. Künstler und Plattenindustrie verschenken ohnehin enorme Mengen ihrer Produkte. Niemand außerhalb dieses Kreises sollte dies an ihrer Stelle tun und dann auch noch erwarten, dass er damit durchkommt.

Angesichts des ungezügelten technischen Fortschritts versuchen wir in der Branche die Distribution der Musik zu verbessern und gleichzeitig Copyrights, geistiges Eigentum und das Recht auf freie Meinungsäußerung zu schützen. Da die Buch- und die Filmindustrie ebenfalls anfällig gegenüber Piratenattacken à la Napster sind, werden diese Branchen zunehmend mit uns kämpfen müssen, falls sie ihre Zukunft sichern wollen.

Es gibt keine Begründung dafür, dass man sein Leben mit geistigem Eigentum bereichert, ohne dafür den Künstler zu bezahlen. Ich bin nur ein einfacher Gitarrenspieler, aber was fair ist, muss auch fair bleiben. Ich überlasse die Wahnsinns-Technologie gerne den Experten, aber wenn ich Brot will, bezahle ich den Bäcker.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%