Kommentar
Börse bleibt Sorgenkind

Geschafft! Der Deutsche Aktienindex (Dax) notiert wieder über der Marke von 3 000 Punkten. Zum Jubeln besteht allerdings kein Anlass.

Trotz mehrerer Anläufe konnte sich das Stimmungsbarometer in diesem Jahr langfristig nicht über dieser Schwelle festsetzen. Ein Schuss Psychologie reicht eben nicht aus, damit es an der Börse zu einer Trendwende kommt. Den vielen Ankündigungen und wohlfeilen Politikerreden müssen nun schnell Taten und Fakten folgen.

Vorerst gilt jedoch das Prinzip Hoffnung. Das in diesen Tagen gelegte Fundament für bessere Zeiten ist nicht schlecht. Beispiel eins: Entgegen den Erwartungen erntete Bundeskanzler Gerhard Schröder auf dem Sonderparteitag der SPD breite Zustimmung für sein Reformprogramm 2010. Beispiel zwei: Nachdem sich in den letzten Wochen der Eindruck gefestigt hatte, den USA käme die jüngste Kursentwicklung des Greenbacks recht, sprach sich jetzt der amerikanische Präsident George W. Bush für eine Politik des starken Dollars aus. Beispiel drei: Lange Zeit zeigte sich die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrer Geldpolitik unbeweglich. Am kommenden Donnerstag wird es damit wohl vorbei sein. Der EZB-Rat dürfte auf seiner Sitzung eine Zinssenkung beschließen - voraussichtlich um einen halben Prozentpunkt.

Reformprogramm, Dollarkurs, Zinssenkung: all das sind Bausteine für einen Aufschwung an der Börse, sofern sie eingesetzt werden. Den Rest der Last müssen die Unternehmen selbst schultern. Nur wenn sie wieder investieren und nachhaltige Erträge erwirtschaften, kann es aufwärts gehen. Zwar haben die jüngsten Quartalsgewinne der leidgeprüften Gesellschaften deutlich mehr Licht als Schatten gezeigt. Doch die steigenden Erträge wurden in erster Linie durch Kostenabbau erzielt. Personal wurde reduziert, und Randbereiche wurden verkauft. Und die extrem günstigen Zinsen dienten vor allem der Umschuldung, um die Finanzierungslast zu drücken.

Das alles reicht nicht, stößt an Grenzen und kann in der jetzigen Situation weder Wirtschaft noch Börse wirklich voranbringen. Es ist der kreative, schöpferische Unternehmer im Schumpeterschen Sinne gefragt, der investiert und durch neue Produkte "echte" Gewinne erzielt. Erst dann kommen Konjunktur und Börse wirklich in Fahrt.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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