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Kommentar: Bushs Bündnis mit Arabiens Herrschern ist brüchig

Wo liegen die Grenzen einer arabisch-islamischen Kooperation mit einer von Washington geführten Anti-Terror-Allianz? Schon George Bush senior musste vor elf Jahren alle Künste der Diplomatie und das gigantische politisch-militärischen Gewicht der Supermacht auffahren, um die arabische Welt in eine Allianz zur Befreiung Kuwaits einzugliedern. In diesem Krieg gegen den arabischen Bruderstaat Irak war die Haltung der Araber entscheidend. Eine ähnliche Kraftanstrengung ist nun von Bush junior gefordert. Doch hat er eine günstigere Ausgangsbasis als sein Vater.

Die gemäßigten arabischen Regime hegen größtes Interesse an einem Feldzug gegen fundamentalistische Terroristen - und auch bei den anderen Regierungen gibt es Bewegung. Wenig überraschend stellten die alten Bündnispartner, allen voran Ägypten, Saudi-Arabien und Marokko, ihre Solidarität mit Washington rasch klar. Die pro-amerikanischen Regime fürchten selbst islamisch-fundamentalistische Gewalt. So hat Osama bin Laden, der in Afghanistan lebende saudische Hauptverdächtige, auch das Königshaus seines Heimatlandes oben auf seine Hassliste gesetzt, weil ihn die Präsenz "ungläubiger" (amerikanischer) Militärs in der "Wiege des Islams" empört.

Auch Syrien, das vor elf Jahren in einer radikalen Kehrtwende die US-Allianz gegen den Irak unterstützt hatte, zeigt Bereitschaft, sich einem solchen Kampf anzuschließen. Nun schwenkt auch Jordanien um. Das Königreich hatte sich auf Grund seiner prekären Lage zwischen Israel und dem Irak im Kuwait-Konflikt noch neutral verhalten - und dafür mit dem Verlust internationaler Hilfsgelder bezahlt. Ja sogar der Iran,von den USA immer noch als "Hort internationalen Terrors" verdammt, bekundet seine Sympathie für Washington und den Willen zur Zusammenarbeit. Die in Afghanistan herrschenden Taliban, die Osama bin Laden Schutz gewähren, zählen seit langen zu den Feinden der herrschenden iranischen Geistlichen.

Kein arabischer Staat - mit Ausnahme des Iraks -, so scheint es, will im Zuge des jetzt von den USA ausgehenden Kampfs gegen den Terror isoliert werden. Nun ist entscheidend, wie sich Ägypten verhält, der mächtigste Araberstaat und Sitz der arabischen Liga. Bislang sagte Kairo aber nur bei den Aufklärungsarbeiten volle Unterstützung zu. Im Lande selbst operieren die beiden Extremisten-Organisationen "Gamaa al Islamiya" und "Jihad", die sich den Sturz des Kairoer Regimes zum Ziel erhoben und dieses durch blutigen Terror - vor allem auch gegen ausländische Touristen - verfolgen. Beide Gruppen werden mit bin Laden in Zusammenhang gebracht.



Zwei Entwicklungen könnten jedoch die arabische Solidarität mit Bush bedrohen. Zum einen ist die gewaltige Brutalität, mit der die Israelis den Aufstand der Palästinenser niederzuschlagen suchen, ein brennendes Thema in der Region. Bin Ladens Tiraden gegen Israel und dessen Unterstützer USA stoßen weithin auf offene Ohren. Darüber können sich auch die arabischen Herrscher nicht einfach hinweg setzen. Zweitens werden Washingtons Aktivitäten sehr genau verfolgt. Sollten sie über gezielte Aktionen gegen die Terrornesterhinausgehen und etwa zu Bombardierungen des Iraks führen, könnte das Bündnis mit den arabischen Staaten rasch wieder auseinander brechen.

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