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Kommentar: Das falsche Signal

Bei Thyssen-Krupp bleibt fast alles beim Alten. So lautet das Fazit der Aufsichtsratssitzung. Und das ist keine gute Nachricht.

Die Personalentscheidungen der Kontrolleure sind nämlich nicht nur eine herbe Enttäuschung für diejenigen, die auf ein umfassendes Revirement des mit neun Mitgliedern überbesetzten Vorstands gehofft hatten. Vor allem: Sie sind das falsche Signal.

Denn bei dem 1999 aus der Fusion der beiden Erzrivalen Thyssen und Krupp entstandenen Ruhrkonzern brennt es an vielen Stellen: Die Synergieeffekte sind erheblich kleiner als erwartet, der Börsenkurs ist am Boden, die Verschuldung Besorgnis erregend hoch, und in praktisch keinem seiner Kerngeschäftsfelder zählt Thyssen-Krupp zur absoluten Weltspitze. Am ehesten noch im Stahl, nicht aber in der Automobilzulieferung und erst recht nicht im Maschinenbau.

Es wäre höchste Zeit für einen Neubeginn. Doch Aufsichtsratschef Heinz Kriwet, der das Amt in drei Monaten an Gerhard Cromme abgeben wird, ist vor harten Entscheidungen zurückgeschreckt.

Über die Forderung vieler Analysten und Investoren, die Führungsriege radikal zu verkleinern, hat sich Kriwet hinweggesetzt. Bei Thyssen-Krupp sitzen die Chefs der operativen Einheiten weiter mit am Vorstandstisch und können so notwendige Portfoliobereinigungen blockieren. Dass es auch anders geht, beweist Preussag. Der einstige Mischkonzern stutze, um den Wandel zum Touristikanbieter zu beschleunigen, schon 1998 seinen Holding-Vorstand auf die zentralen Funktionen Controlling, Personal und Finanzen und das Amt des Vorsitzenden zurück.

Kriwet hat sich am Ende seiner Amtszeit noch einmal durchgesetzt und die nicht mehr zeitgemäße Struktur auf Jahre festgeschrieben. Seinem Nachfolger Cromme sind damit die Hände gebunden. Das freilich hat Kriwet nicht allein zu verantworten, sondern der gesamte Aufsichtsrat

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Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
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