Kommentar: Der Unionskandidat in „ZDF Spezial“
Stoiber im TV-Test: Er hat dazu gelernt

Von einem Personenwahlkampf, wie ihn Bundeskanzler Gerhard Schröder führt, will Unionskandidat Edmund Stoiber offiziell nichts wissen. Dennoch hat er den Fehdehandschuh aufgenommen und seine Fernsehtauglichkeit trainiert. Die Auseinandersetzung verspricht Spannung.

DÜSSELDORF. Wer Edmund Stoiber vor einigen Wochen kurz nach der Entscheidung der K-Frage in der ZDF-Sendung "Was nun?" erlebt hat, wurde am Montag abend ordentlich verblüfft. Im gleichen Sender, nun allerdings mit Heimvorteil in seinem Büro in der Berliner Vertretung Bayerns, zeigte sich Stoiber wie ausgewechselt. Er will zwar nicht wie Schröder als Einzelkämpfer im Wahlkampf dastehen, sondern als Primus inter Pares den Leistungen seiner Partei zur Geltung verhelfen. Dennoch hinterlässt der Kandidat keinen Zweifel an seiner Person: der nächste Kanzler heißt Stoiber, sagt Stoiber. Und dafür hat er offensichtlich als Vorbereitung für das TV-Duell mit dem amtierenden Kanzler eine gehörige Portion mediales Training hinter sich.

Da gerät beinahe in Vergessenheit, dass Stoiber am Abend gegenüber Nikolaus Brender und Thomas Bellut in "ZDF Spezial" keine überzeugende Antwort auf die Frage hat, die bereits den ganzen Tag über nach der Vorstellung seines Wahlprogramms von Journalisten in Berlin gestellt worden ist: Wie will Stoiber seine Wahlversprechen finanzieren?

Die letzte Stufe der Ökosteuer will er zurück drehen; die Kosten für Kinderbetreuung sollen absetzbar werden; aus den früheren 630-Mark-Jobs will der CSU-Mann 400-Euro-Jobs machen und bis zu 800 000 Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor schaffen; dann verspricht der Kandidat noch mehr Geld für Kinder und für die Bundeswehr - macht summa summarum einen zweistelligen Milliardenbetrag, der durch ein Anziehen der Konjunktur erwirtschaftet werden soll. "Ein Prozent Wachstum bringt fünf Milliarden Euro", sagt Stoiber.

Konglomerat von Maßnahmen

Und woher nimmt Stoiber sein Wachstum? Aus einer Flexibilisierung des Arbeitsmarktes durch eine Einschränkung des Kündigungsschutzes und der Mitbestimmungsrechte, durch mehr Jobs im Niedriglohnsektor und durch eine Steuerreform, die vor allem den Mittelstand als wichtigsten Jobmotor stärkt, wofür Stoiber sogar in Kauf nimmt, die Konzernbosse zu verprellen, und so weiter.

Stoibers Rezept ist ein Konglomerat verschiedener Maßnahmen. Im Falle eines Wahlsieges dürften ihm seine Vorschläge kaum das Genick brechen, sollte am Ende doch alles anders kommen. Er macht nicht den Fehler Schröders von 1998, sich an einer fixen Arbeitslosenzahl messen lassen zu wollen. Er lässt nebulös die entscheidende Frage nach der Finanzierung offen und verschweigt, wo gespart werden soll, um seine Versprechen einzulösen.

Aber das dürfte nach der Sendung am Montag Abend beim Wahlvolk kaum hängen bleiben. Wichtiger scheint den Unionsstrategen, dass Stoiber souverän auftritt, und da kann sein Medienberater Michael Spreng zufrieden sein. Der Kandidat wirkt energisch, sogar verblüffend redegewandt. Er verspricht sich kein Mal und verfällt nur dann seinem alten spröden Trott, wenn er einem Thema nicht gewachsen ist wie der Außenpolitik - oder wenn er das Gefühl hat, sich auf politisches Glatteis zu begeben, wie in der Frage einer Klage gegen das Zuwanderungsgesetz und seiner Kritik am Bundespräsidenten. Stoiber hat sich also gut vorbereitet auf das TV-Duell mit Schröder.

Wie hat sich Stoiber geschlagen? Stimmen Sie ab in unserer >>> Frage des Tages und schreiben Sie uns Ihre Meinung. Am nächsten Montag ist Schröder zu Gast in der gleichen Sendung.

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