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Kommentar: Die Erholung nach dem tiefen Fall

Das erste Jahr des neuen Jahrtausends geht zu Ende. Es war in mancher Hinsicht kein gutes Jahr. Für Anleger ohnehin nicht - die Talfahrt an den Börsen ging zunächst weiter. Aber die Krise beschränkt sich nicht auf die Finanzmärkte, mehr und mehr wird deutlich, dass die Weltwirtschaft an einer Rezession im besten Fall vorbeischrammt. Große Unternehmen wie Swiss Air und Enron brechen zusammen, aber auch ein ganzer Staat wie Argentinien geht praktisch bankrott. Im Jahr 2000 waren es vor allem die Anleger, die an der Börse Geld verloren. Jetzt machen viele Menschen die Erfahrung, dass der Konjunktureinbruch mit negativen Begleiterscheinungen wie Arbeitslosigkeit jeden treffen kann.

Den größten Schock haben im September die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York verursacht. Sie haben spürbar gemacht, dass wir nicht auf einer Insel leben. Jeder kann ein Opfer von Gewalt werden, absolute Sicherheit gibt es nicht - das ist eigentlich nicht neu, aber im wohlhabenden Teil der Welt hatten wir es vergessen. Der Terror hat einen Krieg herausgefordert, dem auch unschuldige Zivilisten zum Opfer fallen. In vielen Ländern, in Deutschland bis in die Regierungskoalition hinein, haben sich durch den Krieg Gräben des Unverständnisses zwischen Befürwortern und Gegnern aufgetan. Und dazu verschärft sich der Konflikt im Nahen Osten.

Viel Schatten also, aber es gibt auch Licht. Den Krieg in Afghanistan hat zwar eine fragwürdige Allianz gewonnen. Trotzdem gibt es jetzt Hoffnung auf eine bessere Zukunft für das geschundene Land. Und die schnelle Zerschlagung des Taliban-Regimes beinhaltet die Botschaft an alle Machthaber, dass es ein Fehler ist, sich auf die Seite des Terrors zu stellen - deswegen ist die Welt wieder etwas sicherer geworden. Insgesamt hat die Terrorkrise das politische Verantwortungsbewusstsein gestärkt: Man weiß jetzt, dass scheinbar regionale, weit entfernte Konflikte uns alle bedrohen. Letztlich sind sich sogar die Kulturen näher gekommen - noch nie war das Interesse am Islam so groß.

Die konjunkturelle Entwicklung ist schwer einzuschätzen. Die Notenbanken haben mit Zinssenkungen alles getan, was sie können. In den USA hilft die Regierung mit Ausgabenprogrammen der Wirtschaft über das Gröbste hinweg. Die gewaltigen Überinvestitionen in bestimmte Technikbereiche sind damit nicht auszubügeln. Aber insgesamt kann man den Politikern bescheinigen, dass sie die Krise professionell managen - das gilt auch für die Zurückhaltung der Geld- und Finanzpolitiker in Europa, denn hier haben wir mit einer jungen Notenbank und hoch verschuldeten Regierungen keine vergleichbaren Spielräume wie die Amerikaner. Die Börse feiert seit einigen Wochen schon im Vorlauf die Erholung und den Sieg gegen den Terror. Selbst wenn der Aufschwung durch neue Rückschläge unterbrochen werden sollte, wird immer klarer, dass der Trend an der Börse wieder nach oben zeigt.

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