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Kommentar: Die neue Einheitlichkeit im Fernsehen

Der deutsche Fernsehmarkt ist der härteste der Welt - für Neueinsteiger und Außenseiter. Tatsächlich gibt es auf dem so dicht besetzten Markt einige Ungereimtheiten. Denn aller Vielfalt zum Trotz sind es doch immer wieder die üblichen Verdächtigen, die bestimmen, was in Deutschland auf Sendung geht.

Der Zuschauer profitiert vom Wettbewerb der bunten Kanäle: Mit einer Programmseite kommt auch die billigste Fernsehzeitschrift nicht mehr aus. Die werbetreibende Industrie hat es da einfacher. Für Werbung in der Prime Time gibt es im wesentlichen nur noch zwei Ansprechpartner: Die Vermarkter der RTL-Gruppe oder aber die Kirch-Gruppe. Und auch beim Thema Vermarktung hat Pro Sieben-Chef Urs Rohner zu verstehen gegeben, wer in der von ihm als "Liebesheirat" vermarkteten TV-Familie den Ton angibt: Hauptsitz des neuen Vermarktungsriesen ist München, Standort des Pro Sieben-Vermarkters Media Gruppe München, MGM.

Schon vor der Hauptversammlung hat der Ex-Hürdenläufer seinem Kollegen aus Berlin, Fred Kogel, noch einen Tiefschlag verpasst. Sat 1 sei ein Spätzünder, könne aber auf eine mit RTL vergleichbare Rendite kommen, warb Rohner die Aktionäre um Zustimmung zur TV-Familie.

Kogel ist schon zu lange beim jahrelang chronisch defizitären Sender, um den impliziten Vorwurf überhören zu können. Der Ton wird härter werden, das ist gewiss. Und ARD und ZDF werden bei den kommenden Verteilungskämpfen nicht ungeschoren davon kommen. Ihre dritten Programme sind in den vergangenen Jahren die heimlichen Sieger im Kampf um Marktanteile gewesen. Erzielt haben sie ihre Erfolge aber nicht zuletzt mit Programmformaten, die keiner Gebührenfinanzierung bedürfen.

Wenn die kommerziellen Anbieter ihr Synergiepotenzial vollends ausgeschöpft haben, werden sie sich genötigt sehen, den Gesamtmarkt aufzubrechen. Es steht ein heißer Herbst bevor.

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