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Kommentar: Die Post geht ab

Unverhofft kommt oft. Noch Stunden vor dem Börsengang sah die Lage für den Finanzdienstleister AWD Holding nicht gut aus. Turbulenzen an den Aktienmärkten erschwerten die Emission; zudem holte AWD die Vergangenheit ein. Haftungsrisiken durch den Vertrieb eines Fonds, die zum Nachtrag des Nachtrags (peinlich!) im Börsenprospekt führten, und Diskussionen über frühere Immobilienprojekte ließen das Unternehmen nicht zur Ruhe kommen. Das bescherte AWD-Vorstandschef Carsten Maschmeyer und den führenden Konsortialbanken unruhige Tage in der heißen Phase der Aktienplatzierung.

Doch am Tag der ersten Kursnotiz am vergangenen Freitag hatten alle Beteiligten Grund zum Aufatmen - ja zur Zufriedenheit. Die Erstnotiz von 56,10 Euro bei einem Ausgabekurs von 54,00 Euro war ordentlich, und eine starke Nachfrage ließ die Aktie im weiteren Verlauf in der Spitze sogar auf 71,20 Euro steigen - ein Gewinn von über 30 %. Wer hätte das gedacht? Der Erfolg war offensichtlich auf institutionelle Investoren zurückzuführen. Gerade im Ausland kam die Aktie gut an. Offensichtlich hatten die Profianleger das Beispiel des Konkurrenten MLP vor Augen und sehen großes Zukunftspotenzial bei AWD.

Unverhofft gut könnte auch die Privatisierung der Post verlaufen. Die "Aktie gelb" soll Mitte November ihr Debüt geben. Zurzeit werben die Analysten der Banken landauf, landab bei Fonds für die Aktie, damit beim Börsengang die Post abgeht. Eine einheitliche Preisrange für die Aktie der Post wird dabei nicht genannt. Jeder verkauft die Spanne, die auf dem Ergebnis seiner Analyse zur Post basiert. Vieles deutet darauf hin, dass die Preisspanne zum Beginn der Zeichnungsfrist am 30. Oktober zwischen 18 und 24 Euro liegen wird. Der Ausgabekurs dürfte eher am unteren Ende zu finden sein. Denn eines können sich Bund und Post nicht leisten: einen Fehlschlag. Der Kurseinbruch der T-Aktie nach der dritten Tranche hat ohnehin schon genug Anleger verärgert. Das Interesse der institutionellen Anleger sei groß, ist aus Bankenkreisen zu hören. Das kann allein deshalb nicht verwundern, da die "Aktie gelb" ein heißer Kandidat für einen baldigen Aufstieg in die Eliteklasse der deutschen Börse - den Dax - ist.

Auch die Privatanleger scheinen durchaus geneigt zu sein, die Post-Aktie zu kaufen. Jedenfalls zeigen Umfragen unter den Konsortialbanken, dass viele "Kleine" zugreifen wollen. Tendenz steigend. Wie die Anreize (Bonusaktien, Frühzeichnerrabatt) für Private aussehen, wird sich in der nächsten Woche entscheiden. Ein Preisabschlag von 2 bis 4 % und eine Gratisaktie je zehn gekaufter Papiere nach einer Haltedauer von einem Jahr erscheinen durchaus realistisch. Angesichts dieser Eckdaten ist die "Aktie gelb" als ein solides Investment einzustufen.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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