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Kommentar: Ehrgeizige Wolfsburger

In Wolfsburg setzt man sich dieser Tage höchst ehrgeizige Ziele. Erstens erklärte der Vorstandsvorsitzende Bernd Pischetsrieder vor einer Woche am Rande eines Treffens mit WM-Chef-Koordinator Franz Beckenbauer für den VFL Wolfsburg die Teilnahme an der Champions League zum strategischen Ziel und sorgte damit in der Stadt für einen Paukenschlag.

Erstens erklärte der Vorstandsvorsitzende Bernd Pischetsrieder vor einer Woche am Rande eines Treffens mit WM-Chef-Koordinator Franz Beckenbauer für den VFL Wolfsburg die Teilnahme an der Champions League zum strategischen Ziel und sorgte damit in der Stadt für einen Paukenschlag.

Zweitens bekräftigte der Konzernvorstand am Freitag das Ziel, in diesem Jahr trotz labiler Automobilmärkte mindestens das Ertragsniveau des Vorjahres zu erreichen. Welches dieser Ziele ambitionierter ist, mag der geneigte Leser selbst entscheiden.

Ganz sicher ist aber, dass die Klärung der wirtschaftlichen Prognosen vor den sportlichen geschieht. Momentan scheint VW hier auf einem guten Weg zu sein, was durch die Quartalszahlen untermauert wird. Der Lagerabbau hat die Liquidität massiv erhöht, die Kosteneinsparungen greifen, das Finanzergebnis hat sich verbessert, Argentinien hat nicht in der Höhe belastet wie zunächst befürchtet wurde. Damit konnte ein Absatzrückgang um sage und schreibe 13 Prozent einigermaßen abgefedert werden. Die Börse dankt es und treibt den VW-Kurs nach der tristen Entwicklung der vergangenen Wochen wieder in die Nähe der 60-Euro-Marke.

Wenn Ex-BMW-Chef Pischetsrieder den Ehrgeiz hat, das fussballerische Ambiente in der Stadt des neuen Arbeitgebers auf das Niveau des Favoriten an seiner alten Wirkungsstätte zu hieven, dann wird er sicher auch bestrebt sein, nicht nur den VW-Vorsteuerertrag von 4,4 Mrd. Euro mindestens zu halten, sondern auch möglichst ein wenig zu steigern. Denn Volkswagen blickt seit Beginn der Piech-Ära (1993) auf ein kontinuierliches Gewinnwachstum zurück, unterbrochen nur im Jahr 1999. Das entscheidende Momentum dabei wird allerdings ein Faktor sein, den VW selbst gar nicht beeinflussen kann - die Konjunkturentwicklung in den USA und in West-Europa.

Auf dem US-Markt werden Absatzzuwäche derzeit nur über immer noch horrende Preiszugeständnisse erzielt. Auch wenn VW hier weniger Incentives als andere Massenhersteller gibt, so war doch bei den Vertriebskosten ein Anstieg um 83 Mill. Euro zu verzeichnen. Auf dem westeuropäischen Markt sitzt die Konkurrenz aus Frankreich zunehmend im Nacken und nimmt VW Monat um Monat Marktanteile ab. Mit dem in die Jahre gekommenen Golf fehlt ein wichtiger Wachstumsträger, der nicht vor dem vierten Quartal kommenden Jahres in seiner neuen Version erscheinen wird. Der Mini-Van auf Golf-Basis ist ebenso wie der Geländewagen Touareg nicht vor Jahresende in Sicht. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob VW auf dem richtigen Weg ist. Schau'n mer mal.

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