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Kommentar: Ein Husarenstück

Onvista hat seine Prognosen eingehalten. Nach zweieinhalb Jahren schreibt der Anbieter von Finanzinformationen bereits schwarze Zahlen. Das ist im derzeitigen Börsenumfeld alles andere als selbstverständlich, auch wenn der Überschuss im abgelaufenen Geschäftsjahr mit 310 000 Euro nicht unbedingt üppig ausfällt.
Die Flaute an der Börse schlägt sich auch bei Onvista in niedrigeren Internet-Abrufzahlen nieder, doch bleibt der Rückgang vergleichsweise gering.

Richtig spektakulär aber sind die Zukunftspläne. Onvista will ins Ausland expandieren und dieses Wachstum aus eigener Kraft bewältigen. Das Geschäft ruht weiter auf drei Säulen. Da ist zum einen der Lizenzhandel. Externe Partner sollen ihr Internetinhalte mit Komponenten aus dem reichhaltigen Onvista-Sortiment anreichern. Mit seinem Überblick über Optionsscheine ist Onvista groß geworden. Inzwischen gleicht das Sortiment einem Bauchladen, den Onvista selbst virtuos verwaltet und vermarktet. Tools werden die Bausteine genannt, und es ist Sache der Käufer, daraus tragfähige Konstruktionen zu errichten.

Messen lassen müssen sie sich in jedem Fall mit dem reichweitenstarken Onvista-Portal selbst, dem zweiten Standbein des Unternehmens. Das ist vor allem für die Banken mit ihren Webadressen ein ständiges Ärgernis, denn seine Wettbewerbspartner lässt Onvista gleich mehrfach bluten. Sie zahlen für die Entwicklung eben jener Instrumente, die Onvista auf der eigenen Seite bündelt. Wenn sie über direkte Verweise die Nutzer auf ihr Angebot lenken wollen, sind, genauso wie beim gemeinsamen Angebot spezieller Zertifikate, wieder Gebühren fällig - die dritte Erlösquelle neben Lizenzgeschäft und der momentan eher flauen Portalvermarktung.

In den vergangenen Monaten ist das Unternehmen stürmisch gewachsen. Als Partner steht dem Unternehmen mit Reuters ein Traditionsunternehmen zur Seite, das seit 1851 vom Handel mit Wirtschaftsinformationen lebt. Warum sollten die Briten Onvista das Geschäft überlassen? Liegt es daran, dass Reuters viel will, aber wenig kann? Oder aber haben sich die Reuters-Manager bislang mit der Rolle eines Schlafwagenfahrers begnügt, um später bei Bedarf die Lokomotive zu übernehmen?

Die Onvista-Gründer dementieren Verkaufsabsichten. Wenn Onvista die ehrgeizigen Expansionsziele wie geplant umsetzen will, ist auf jeden Fall nicht weniger als ein Husarenstück erforderlich.

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