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Kommentar: Ende der Schonzeit bei UMTS

Monatelang hat sich France Télécom von Mobilcom-Chef Gerhard Schmid wie ein Tanzbär an der Nase herumführen lassen. Jetzt ist den Franzosen der Geduldsfaden gerissen.

Mit der Kündigung des Kooperationsabkommens, das Mobilcom die Finanzierung seines Betriebs sicherte, haben die Franzosen den Schlussstrich unter eine Partnerschaft gezogen, die von Beginn an unter keinem guten Stern stand.

Das Überleben von Mobilcom hängt jetzt ganz vom Ergebnis der Verhandlungen ab, die 19 Gläubigerbanken über Mobilcoms milliardenschwere Kreditlinie führen. Können sie sich nicht einigen, ist Mobilcom am Ende des Weges angelangt. Für Tausende von Kleinaktionären, die sich am früheren Leitstern des Neuen Marktes beteiligt hatten, wäre das eine schmerzliche Lektion: Aktien sind in der Tat Risikopapiere. Vor allem die Aktien von Firmen, deren Lenker jedes Maß für das wirklich Machbare verlieren. Die jüngsten Eskapaden von Mobilcom-Firmengründer Gerhard Schmid erinnern fatal an die Fehltritte anderer Stars der deutschen New Economy, die ihre Firmen aus Großmannssucht an die Wand gefahren haben.

Auch für France Télécom ist das eine bittere Erfahrung - schließlich haben sich die Franzosen zuvor schon bei der Deutschen Telekom und bei E-Plus eine blutige Nase geholt. So ist die Ankündigung, man werde sich an einer Rettung von Mobilcom beteiligen, wohl vor allem eine Klausel, die vor Klagen schützen soll.

Denn France Télécom knüpft ihr Interesse an die Bedingung von weicheren Regeln für die UMTS-Konkurrenz in Deutschland. Die aber sind selbst bei gutem Willen nicht per Federstrich herzustellen. So dürfte die deutsch-französische Partnerschaft bei UMTS das erste Opfer der Bereinigung am UMTS-Markt werden. Dessen Schonzeit ist zu Ende.

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