Kommentar
Feuertaufen für die Europäer

Allein gelassen von der mächtigen US-Regierung, erlebt die Außenpolitik der Europäischen Union ihre ersten Feuertaufen. Im Nahen Osten, in Mazedonien und zuletzt auf der Rassismuskonferenz im südafrikanischen Durban: Vor den Europäern tut sich ein politisches Vakuum auf, das die Amerikaner hinterlassen haben. Die US-Regierung hat sich seit dem Machtwechsel im Weißen Haus von wichtigen internationalen Brandherden distanziert - was nicht heißen soll, dass die Washingtoner Diplomatie die Konfliktherde vollkommen aus den Augen lässt.

Die Europäer haben den Wink verstanden. Sie stellen sich nicht mehr nur unmittelbar vor ihrer Haustür der neuen Verantwortung. Nach anfänglichen Schwierigkeiten läuft der komplizierte außenpolitische Apparat der 15 Staaten unter der Führung des Außenpolitischen Repräsentanten der EU, Javier Solana, allmählich rund. Knapp zwei Jahre nach der Institutionalisierung der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik kann sich die Arbeit sehen lassen.

Eine Eskalation der militärischen Auseinandersetzung in Mazedonien hat es dank des vehementen diplomatischen Engagements der EU nicht gegeben. Die Union, militärisch unterstützt durch die Nato, hat einen gefährlichen Weg eingeschlagen: Gegen den breiten Widerstand in der mazedonischen Bevölkerung und der Staatsspitze zwingt sie dem kleinen Balkanstaat eine fremde militärische Präsenz auf. Erkauft wird die widerwillige Akzeptanz in Skopje mit dem Versprechen finanzieller Hilfen, die in Kürze fließen sollen.

Im explosiven Nahen Osten kann dieses Rezept allerdings nicht greifen. Der massive Einsatz der EU-Diplomatie dient in der festgefahrenen Situation derzeit ganz alleine der Verhinderung einer Eskalation der Gewalt. Echte Fortschritte im Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern wird es ohne ein größeres Engagement der Amerikaner in der Region nicht geben.

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