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Kommentar: Freier Eintritt für Murdoch

Murdoch ante portas. Eine Übernahme von Kirch durch den australischen Medienunternehmer wird immer wahrscheinlicher. Noch pokern die Banken und die Gesellschafter der Kirch-Media um die Details der Übernahme des Münchner Medien-Konzerns.

Murdoch ante portas. Eine Übernahme von Kirch durch den australischen Medienunternehmer wird immer wahrscheinlicher. Noch pokern die Banken und die Gesellschafter der Kirch-Media um die Details der Übernahme des Münchner Medien-Konzerns. Gut möglich, dass die Banken vorübergehend wesentliche Anteile besitzen. Aber die Banker verstehen nichts vom Mediengeschäft, Rupert Murdoch sehr wohl. Es ist deswegen anzunehmen, dass die unternehmerische Führung des Kirch-Konzerns über kurz oder lang bei dem Presse-Tycoon liegen wird, möglicherweise in Zusammenarbeit mit seinem italienischen Partner Silvio Berlusconi.

Der mögliche Einstieg Murdochs ist nicht, wie von Bundeskanzler Gerhard Schröder suggeriert, ein nationales Unheil. Im Gegenteil: Sie ist ein positives Zeichen für die Ablösung der Deutschland AG und ihres politisch geschützten Klüngel-Kapitalismus. Wenn deutsche Medienkonzerne wie Bertelsmann, Axel Springer und Holtzbrinck im Ausland investieren, müssen dies umgekehrt auch Ausländer in Deutschland tun können, ohne dass gleich Wehklagen über die Gefährdung der Pressefreiheit ausbricht.

Die "radikal-kommerziellen" Vorstellungen, die etwa ARD-Chef Fritz Pleitgen Murdoch vorgeworfen hat, können Deutschland nur gut tun. Wenn Murdoch als mutmaßlicher neuer Besitzer von Pro Sieben Sat 1 Media das deutsche TV-Oligopol aufmischen wird, muss das eben die öffentlich-rechtlichen Anstalten und die von Bertelsmann kontrollierten Privatsendern in Bewegung setzen. Nur im Horizont der deutschen Konsensgesellschaft gilt ein Grundsatz der Marktwirtschaft nicht: Wettbewerb belebt das Geschäft. Deswegen: Freier Eintritt für Murdoch.

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