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Kommentar: Generali ist der Traumprinz

Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller hält den Schlüssel zu einem großen Coup in den Händen. Ihm scheint es in kurzer Zeit zu gelingen, die ungeliebte Investorengruppe Cobra aus der Bank hinauszukomplimentieren und die italienische Generali als festen Partner an die Bank zu binden. Das wäre der Kern für einen mächtigen Allfinanzkonzern, der Allianz/Dresdner und Münchener Rück/Hypo-Vereinsbank Paroli bieten kann und ihnen in der europäischen Dimension weit voraus wäre. Zumal sich abzeichnet, dass Unicredito und die Mailänder Investmentbank Mediobanca mit im Bund sein werden.

Ein europäischer Allfinanzverbund ist aber auch die einzige Lösung, in der die Commerzbank Stärken ausspielen kann: Sie kann ihr Vertriebsnetz einbringen, eine gute Marktposition in der Vermögensverwaltung für Institutionelle und Teile des mühsam aufgebauten Kapitalmarktgeschäfts. Die Bank hat aber in keinem Geschäftsfeld eine herausragende Marktposition - bei einer Übernahme durch die Deutsche Bank würde sie im Handumdrehen vom Markt verschwinden.

Die spannende Frage ist: Kann es sich die Deutsche Bank entgehen lassen, quasi im Vorübergehen das Schnäppchen Commerzbank einzustreichen? Oder kommt es zu einem Bieterstreit mit der Generali? Denn mit über fünf Millionen Privat- und Firmenkunden weltweit bringt die Commerzbank durchaus ein interessantes Volumen auf die Beine. Doch ob die Größenvorteile stärker wären als der Schaden für die Aktionäre der Deutschen Bank, ist fraglich. Denn mit einer Eigenkapitalrendite von nur 4,5 Prozent im ersten Halbjahr würde die Commerzbank die Deutsche-Bank-Rendite zunächst gnadenlos verwässern.

Viel Zeit hat Müller nicht. Wegen der schlechten Zahlen steht er mit dem Rücken zur Wand. Die Kosten sind aus dem Ruder gelaufen, Privatkundengeschäft und Vermögensverwaltung machen Verluste. Einen besseren Partner als Generali wird er nicht finden.

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