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Kommentar: Hacker schlafen nicht, die Politik schon

Internet-Piraten legen Netzwerke lahm, E-Commerce-Firmen werden mit E-Mail-Anfragen zugeschüttet, bis ihre Server ausfallen - die Zerstörungskraft pubertierender Tüftler ist weitaus größer als deren Genie, der wirtschaftliche Schaden geht in die Milliarden.

Jetzt sehen Experten eine neue Qualität von Viren auf uns zukommen. Die logischen Bomben, trojanischen Pferde und Würmer werden künftig nicht mehr allein von Amateuren programmiert, sondern von Wirtschafts-Spionen oder Terroristen - oder von pubertierenden Tüftlern in deren Diensten. Vielleicht suchen Viren in deutschen Betriebssystemen bald nach allen Dateien, in denen "BAYER AG" vorkommt - um sie zu löschen oder zu kopieren.

Wer eine Pistole ohne Waffenschein besitzt, macht sich strafbar - auch wenn er niemanden verletzt hat. Wer einen Virus verbreitet oder besitzt, begeht nach deutschem Recht noch nicht einmal eine Ordnungswidrigkeit, Falschparken wird teurer. Da sind die Schweizer weiter: Mehrfach bereits saßen in Zürich Hacker vor dem Richter, die zwar keinen materiellen Schaden angerichtet, aber Programme zum Bau von Viren in Umlauf gebracht hatten.

Nun ist es nicht so, dass in Deutschland jeder Computerfreak machen kann was er will. Der Amerikaner Kevin Mitnick, der im Januar nach fünf Jahren aus dem Gefängnis entlassen wurde und nun drei Jahre lang keinen Computer mit Web-Zugang mehr anpacken darf, wäre auch in Deutschland verklagt worden. Er hatte Software im Millionenwert übers Internet gestohlen. Auch der Junge, der mit "I love you" die Welt beglückte, hat sich nach deutschem Recht strafbar gemacht.

Natürlich läßt sich ein Hacker auf den Philippinen nicht vom deutschen Strafrecht beeindrucken. Aber auch in Deutschland leben Software-Chaoten. Und bisher handeln alle, die Nachahmern ihre Werkzeuge an die Hand geben, völlig legal. Das ist unverständlich: Deutschland sollte nicht warten, bis der Europarat die Konvention gegen die Datennetz-Kriminalität auf den Weg gebracht und ratifiziert hat. Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, nicht schon jetzt die deutschen Gesetze zu verschärfen.

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