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Kommentar: Im Verbund ist Bayer stärker

Die Bayer-Aktionäre haben am Freitag Weitsicht und Vernunft bewiesen. Dass der Antrag des US-Investors Tweedy Browne mit klarer Mehrheit abgeschmettert wurde, zeigt, dass die Anteilseigner den mittel- und langfristigen Entwicklungsperspektiven des Chemie- und Pharmakonzerns den Vorrang vor möglicherweise kurzfristigen Spekulationsgewinnen gegeben haben. Tweedys Argument, dass Bayer in seiner gegenwärtigen Konglomeratsstruktur Gefahr laufe, Opfer einer feindlichen Übernahme zu werden, überzeugt nicht. Einem solchen Risiko wären die selbstständigen Sparten Pharma, Chemie und Agrochemie ebenso ausgesetzt gewesen.

Der Vorstandsvorsitzende Manfred Schneider hat zudem völlig zu Recht darauf hingewiesen, dass Bayer mit seiner Vier-Säulen-Struktur Synergieeffekte realisiere. Auch kann die Pharmasparte innerhalb des Konzerns ebenso gut ausgebaut werden wie außerhalb. Außer den vermuteten - aber auch nicht sicheren - kurzfristigen Gewinnen an der Börse ist somit kein Vorzug erkennbar, den die Methode "Aus eins mach drei" haben könnte. Bei aller Genugtuung über die Entscheidung der Aktionäre muss sich das Bayer-Management allerdings auch darüber im Klaren sein, dass der Druck des Kapitalmarkts nicht nachlassen wird; die Unterbewertung der Bayer-Aktie könnte sich sogar noch verschärfen.

Das Management des Dax-Konzerns hat auf der Hauptversammlung zwar eine gute Figur gemacht, die Ergebnisse des ersten Quartals sind aber unbefriedigend. Auch wenn Schneider im März bereits angekündigt hatte, dass man die Rekordvorgaben des Vorjahresquartals nicht wieder erreichen werde, hat kaum jemand mit einem Einbruch des Konzerngewinns um mehr als 20 Prozent gerechnet. Auch die beharrliche Weigerung Schneiders, für 2001 konkrete Zielgrößen für Umsatz und Ergebnis zu nennen, wird die Zuversicht der Anleger kaum beflügeln. Bayer hat zweifellos ein schwieriges Jahr vor sich, und man kann nur hoffen, dass den Aktionären die gute Laune nach dem positiven Gesamtergebnis im vergangenen Jahr nicht vergeht.

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