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Kommentar: Infomatec beim Lügen erwischt

DÜSSELDORF. Der Missbrauch mit Ad hoc-Mitteilungen geht weiter. Jetzt wurde die am Neuen Markt notierte Infomatec AG beim Lügen erwischt. Besser noch: Das Unternehmen hat sich sogar selbst ans Messer geliefert. Kleinlaut dementierte das Systemhaus gestern Abend eine eigene Firmenmitteilung vom Mai diesen Jahres - auch Ad hoc, versteht sich.



Die Methode, mit Ad hoc verteilten Halbwahrheiten oder gar Lügen den eigenen Kurs in die Höhe zu treiben, ist diesmal dank der Computerwoche aufgeflogen. Das Fachblatt berichtete am Montag von Ungereimtheit in Zusammenhang mit einem Großauftrag, den das Unternehmen angeblich von Mobilcom erhalten habe.



Vom größten "Deal der Firmengeschichte" war in der ursprünglichen Meldung die Rede und dass Infomatec auf dem besten Wege sei, "innerhalb der nächsten 5 Jahre eines der größten Software- und Systemhäuser der Welt zu sein".



Am Dienstag hieß es dann: "Die Mobilcom AG hat ein Begehren auf Wandlung Ihres am 19. Mai 1999 geschlossenen Vertrages mit der Infomatec AG gestellt. Dieser erste Auftrag umfasste entgegen der ursprünglichen Mitteilung die Lieferung von 14 000 JNT Surfstations.



Hört sich so ein Marktführer an? Eher schreibt hier jemand, der versucht hat, die Anleger für dumm zu verkaufen. Jetzt ermittelt das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel. Ein Bußgeld bis zu einer Höhe von 3 Millionen DM kann die Aufsichtsbehörde verhängen.



Ergeben sich Anzeichen einer bewussten Kursmanipulation, schaltet sich sogar die Staatsanwaltschaft ein. Das wird auch höchste Zeit. Denn bislang wurden nur die Anleger bestraft, die auf die Kurspusher von Infomatec hereingefallen sind. Von ihrem Höchstkurs verlor die Aktie rund 86 Prozent.

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