Archiv
Kommentar: Lastwagen raus aus der Röhre

Es gibt nur eine logische Konsequenz aus dem grauenvollen Inferno im Gotthard. Und die heißt: Lastwagen müssen so lange raus aus der Röhre, bis die gefährlichen Alpentunnel mit zwei Spuren in jeder Richtung ausgebaut sind. Mit fruchtlosen Diskussionen um die Begrenzung der Fahrtzeiten für Lkws oder schärfere Abstandskontrollen ist es einfach nicht getan.

All dies sind nur halbherzige Lösungen. So lange 40-Tonnen-Brummis mit brennbarer Ladung im Nacken auf kilometerlangen, dämmrigen Tunnelstrecken Stoßstange an Stoßstange zwischen den Autos von Urlauberfamilien und Einheimischen unterwegs sind, fährt die Angst mit.

Die Verhinderer des Tunnelausbaus, die Pfennigfuchser und Umweltschützer, ignorieren Zahlen, die schon lange eine deutliche Sprache sprechen: In Tunneln mit Gegenverkehr passieren rund dreimal so viele Unfälle wie in richtungsgetrennten Tunneln. Dennoch unterbleibt der Bau einer zweiten Röhre oft mit dem Hinweis auf die Kosten. Doch wer hindert die Schweizer und andere daran, für Tunnelbauwerke zusätzliche Gebühren zu erheben? Jeder Autofahrer wäre bereit, für seine eigene Sicherheit eine Tunnelmaut zu zahlen. Das Geld für eine zweite Röhre käme spielend wieder rein. Und aus Gründen des Umweltschutzes länger gegen den Bau einer zweiten Röhre in Alpentunneln zu plädieren, verbietet sich angesichts der Toten im Tunnel.

So lange jedoch um jede Röhre gerungen wird, müssen Lastwagen mit Mann und Ladung auf die Bahn. Anstatt weiter für freie Fahrt durch verstopfte Tunnel zu kämpfen, sollten die Lobbyisten der Spediteure lieber Druck auf die Bahnen ausüben. Natürlich müssen die Wartezeiten beim Verladen auf den Zug kurz und die Gebühren überschaubar bleiben. Bislang haben die Schweizerischen Bundesbahnen, die sich mit den Kantonsverwaltungen noch nicht einmal über einen neuen Verladeplatz am Gotthard einigen konnten, hier einiges versäumt.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%